Meine japanische Gastfamilie

私の日本のホスト・ファミリー

Als ich Herbst 2008 nach Japan als Aupair ging, brauchte ich ja logischerweise auch eine Unterkunft. Meine Gastfamilie habe ich über eine Bekannte kennen gelernt. Eigentlich hatte ich das vermeiden wollen, weil ich mich selber umsehen wollte. Ich war lange in einer Internet-Vermittlung eingetragen, aber für Japan gab es kaum Interessenten, die ein Aupair suchten. Die meisten waren nicht Japanisch. Es sind viele amerikanische Familien dort, die auch mit Aupairs vertraut sind, denn dieses Business ist in Japan so gut wie unbekannt oder kaum gewollt. Viele Japaner lassen ungern Fremde in ihr Zuhause. Das hat mir zumindest später meine Gastmutter erzählt. Sie ist weltbereist, darum auch weltoffener. Gemischt-Japanische Familien – falls sie ein Aupair suchen – haben meistens einen europäischen oder amerikanischen Ehepartner. Das jedoch erstmal zu finden, ist schwer. Ich habe darum auch keine Interessenten gefunden und bin darum auf den Vorschlag meiner Bekannten eingegangen, die zu dem Zeitpunkt schon in Japan war und deren Familie mich sehr gerne haben wollte,  sobald sie sie verließ. Ich war ziemlich froh, dass ich so guten Kontakt zu dieser Familie aufbauen konnte. Es war ein deutsch-japanisches Pärchen mit zwei kleinen Kindern. Ich habe mal ein paar Angaben zu ihnen aufgelistet.

Wohnort:
(Stand 12/2008)

Hier haben wir gewohnt, bevor wir umziehen mussten. Für mich war es mein Zuhause von Oktober 2008 bis Januar 2009.

Ort: Yokohama (3,64 Mio. Einwohner)
Wohngegend: Norden, Aoba-ku (drittstärkstbesiedelste und reiche Wohngegend)
Es war eine erstaunlich ruhige Straße, in der ich wohnte, bis auf vereinzelte amerikanische Düsenjets. Der Bahnhof Aobadai und die Einkaufszentren waren nur 12min und das nächste Lebensmittelgeschäft nur 5min entfernt.

Eltern:
Azusa – 41 Jahre, und Hausfrau, vorher Gender Agent
Christoph – 38 Jahre, und arbeitete bei einer deutschen Bank

Kinder:
Amelie – 4 Jahre
Felix – 1½ Jahre

Die Wohnung:
Erdgeschoß: Eingangsbereich, Wohnzimmer, Küche, Toilette, Tatamizimmer, das als Spielzimmer fungierte, und ein kleiner Garten
Obergeschoß: Schlafzimmer, Kinderzimmer, mein Zimmer, Toilette, Bad

Mein Zimmer:
Größe: 6 Tatamimatten = 9,3m² (in Japan werden alle Raummaße in Tatami gerechnet, für die Region Tokyo und Ostjapan gilt 1 Tatamimatte = 0,88m x 1,76m)
Möbel: Schlafsofa, in die Wand eingebauter Kleiderschrank, Schreibtisch mit Drehstuhl, 2 Fenster (1 zum Garten, 1 zum Nachbarn), 1 Bücherschränkchen

Tiere: keine

Im ganzen Haus war immer das W-LAN zugänglich, aber meistens war es abends an. Jedoch durfte ich es jederzeit anschalten, wenn ich frei hatte. Als Aupair sollte ich mich auf Deutsch mit den Kindern unterhalten, damit sie das auch lernen, weil der Vater so lange arbeitete und seine Kinder nur am Wochenende hatte. Die Eltern sprachen untereinander Englisch und mit den Kindern Deutsch und Japanisch. Also wuchsen die Kleinen dreisprachig auf.

Ungefährer Tagesablauf:

07.05 Uhr: Aufstehen
07.25 Uhr: Frühstück, und danach wusch ich ab
08.35 – 09.20 Uhr: Azusa mit Amelie zum Kindergarten und danach ging sie einkaufen oder zur Massage
08.35 – 11.30 Uhr: Felix betreut und im Haushalt geholfen (Staubsaugen immer montags, mittwochs und freitags)
zw. 11.30 – 12.30 Uhr: Mittagessen
13.00 Uhr – 16.00 Uhr – frei (außer donnerstags)
13.45 – 14.20 Uhr: Azusa hat Amelie vom Kindergarten abgeholt
16.00 -16.45 Uhr – auf die Kinder aufgepasst, während Azusa Abendessen machte
16.45 -17.35 Uhr: Abendessen wegen der frühen Schlafenszeit der Kinder
17.35 Uhr – 18.15 Uhr: Badezeit der Kinder und Azusa
18.15 – 19.00 Uhr: Zu-Bett-Gehen der Kinder
ab 19.00 Uhr: Freizeit für mich

= 7-8 Stunden arbeiten, donnerstags etwas mehr, weil Amelie in die Montessori-Schule ging, freitags weniger, weil die Kinder bis 16 Uhr bei ihren Großeltern waren; wöchentlich schwankten die Arbeitsstunden zwischen 34-42h. Im Nachhinein erkannte ich, dass ich zu viele Stunden gearbeitet hatte, denn Aupairs arbeiten im Durchschnitt 25-30h, maximal 35h/Woche, da sie auch nicht als Arbeitnehmer gelten. Aus Erfahrung wird man klug.

Im Allgemeinen stehen in der Woche einem Aupair immer zwei freie Tage zu. Ich hatte am Wochenende frei, aber hin und wieder musste ich flexibel sein, dann hatte ich z.B. am Freitag und Sonntag frei, musste aber mal am Samstagabend auf die Kinder aufpassen, weil die Eltern etwas unternehmen wollten. Dann kamen natürlich noch Feiertage hinzu und wenn in Japan ein Feiertag auf einen Sonntag fällt, ist der darauffolgende Montag frei. In dem Fall hatte ich dann drei Tage frei. Genial, ne?

Ich bekam 10.000¥ in der Woche, das waren umgerechnet ca. 80,00€ (Stand: 05.01.09). Als ich 2007 als Aupair für 3 Monate in England war, bekam ich  auch etwa 80,00€ für 7h Arbeit am Tag. Dazu muss man aber sagen, dass meine japanische Gastfamilie nur einen Verdiener hatte und die Lebenshaltungskosten in Japan sehr hoch sind. Außerdem schwankt der Wechselkurs stark.

Kleine Aufgaben im Haushalt:
Abwasch, Staubsaugen, Spazierengehen mit Felix (machte ich sehr gern, weil man schön die Umgebung entdecken gehen konnte), hin und wieder einkaufen (z.B. wenn die Milch knapp wurde)

Azusa übernahm allein das Wäschewaschen. Mir war von Freunden, die in Japan waren, zu Ohren gekommen, dass die Japaner nur mit kaltem Wasser waschen und dadurch die Sachen schnell kaputtgehen, aber Azusa benutzte zum Glück warmes Wasser. Wahrscheinlich durch den Einfluss ihres deutschen Mannes. ^.^ Da soll mal einer die Japaner verstehen. Sind so technisiert, aber waschen kalt.

Meine Bekannte hatte mir versichert, dass ich auf jeden Fall nicht als Putze missbraucht werde. Das hatte ich in England zur Genüge durch und war auch meine große Sorge. Ich muss auch sagen, ich machte wirklich nur den Abwasch und das Staubsaugen, und das war absolut okay.

3 Kommentare zu “Meine japanische Gastfamilie

  1. Hio, klingt echt aufregend.
    Würde gerne mit dir in Verbindung kommen.
    Hab nämlich auch vor nach meinem Abitur als Aupair nach Japan zu gehen. ^^
    Schönen Gruß
    Susu

    p.s. starke Nerven für den Flug 😉

  2. Ach, schon wieder ein/zwei Fragen: Was versteht man unter einem Gender Agent. Gut, aus dem Englischen kann ich es mir übersetzen, aber, was genau machen die? Also, deren Tätigkeitsfeld…
    Hat der Name Azusa eine Bedeutung und wie spricht man ihn aus?
    Hat es einen bestimmten Grund, dass man in Japan mit kalten H2O wäscht?

    • Also, das Wort Gender Agent kann ich dir nicht gut erklären. Azusa arbeitete für eine NGO und setzte sich für minderbemittelte Gesellschaften in verschiedenen Ländern ein, um ihr soziales Umfeld zu verbessern usw.

      Azusa schreibt sich あずさ. Sie benutzt für ihren Namen keine Kanji sondern Hiragana. Aber als Kanji sähe es so aus 梓. Das ist das Zeichen für den Trompetenbaum (Catalpa). Der Name wird A-SU-ßa gesprochen. Ein weiches S am Anfang und dann ein scharfes.

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