Typisch japanisch

いかにも日本人の

Jetzt lebe ich ja schon zwölf Wochen in Japan und während meines Aufenthaltes sind mir schon viele Dinge über den Weg gelaufen, die es nicht bei uns in Deutschland gibt, von denen ich auch einige gut finde und andere wiederum nicht.

  • Rolltreppenbenutzung (hier gibt es Rolltreppen, die so schmal sind, dass nur eine Person auf der Stufe stehen kann): Man steht auf der linken Seite, wenn man sich gemütlich hoch- oder runterfahren lassen möchte. Die rechte Seite ist für die Eiligen. Genau solch ein Verhalten habe ich auch in London beobachten können. Dort steht man allerdings rechts, um langsam zu sein und eilt links vorbei.
  • 2 Varianten von Toiletten: 1. Moderne jap. Toiletten haben Bedienelemente für das eingebaute Bidet zur Intimreinigung, sehen optisch aber genauso aus wie westliche Toiletten. 2. Traditionelle jap. Toiletten sind Hockklos. Diese bedürfen ein wenig Übung beim Hinhocken. Bei ihnen ist ein Urinal aus Porzellan im Boden eingelassen (wie teilweise in Frankreich), über das man sich hockt. Für das Spülen muss man nicht erst ein Bedienelement entziffern, sondern betätigt einfach einen Hebel. Da man hier gute Körperbalance braucht, sind oft Haltegriffe in der Toilette eingebaut. Allerdings bieten viele Restaurants oder Einkaufsstraßen westliche Toiletten. Man muss sich also nicht auf Bückkurs begeben. ^^
  • In den Spülkästen sind oft Waschbecken integriert (so wie auch bei mir in der Gastfamilie). So wird gleich das Wasser wiederverwendet. Das reduziert den Wasserverbrauch und schont die Umwelt. (Allerdings verbrauchen die Japaner allein durch das tägliche Baden schon genug Wasser.)
  • Im Winter ist bei uns jetzt die Toilettenbrille beheizt. Was für ein Komfort, mal davon abgesehen, was die jap. Toilette außer Intimspülung noch alles kann.
  • Man duscht im Sitzen auf einem Hocker. Das trifft 100% auf Onsen zu. In meiner Gastfamilie kann man sich aber auch nach Belieben hinstellen. Es sieht ja keiner zu. ^^
  • Jeden Tag bebt es etwa sechs- bis zehnmal in Japan.
  • Straßenschuhe zieht man im sogenannten genkan (Eingangsbereich, Flur) aus und betritt über eine Stufe das Wohnhaus. In meiner Gastfamilie gibt es auch Hausschuhe. Da Japaner ihre Lebensbereiche in „rein“ und „unrein“ unterteilen, schlüpft man auch für den Gang auf die Toilette in extra vorhandene Toilettenschuhe. Und beim Verlassen bitte nicht vergessen die Schuhe wieder auszuziehen! Es ist megapeinlich, dabei erwischt zu werden, wie man mit den „unreinen“ Pantoffeln im „reinen“ Haus herumläuft. Mir ist das zum Glück nie passiert.
  • Einkaufen macht Spaß, weil die Angestellten die Kundschaft immer freundlich begrüßen und verabschieden. Alle haben ein Lächeln auf den Lippen, ob nun erzwungen oder nicht.
  • Man verbeugt sich zur Begrüßung. Händeschütteln kommt vulgär rüber.
  • Draußen vor den Restaurants wird das Menü in Form von Plastikessen im Schaufenster präsentiert. So kann man schon einen Ausblick auf das Angebot haben.
  • Typisch japanisches Frühstück besteht aus grünem Tee, Fisch, Reis, Miso-Suppe, Gemüse usw. Allerdings wird bei uns Weißbrot gebacken und ich kann jeden Tag Toast und Marmelade essen. Dazu Earl Grey Tee.
  • Man nimmt an, Japaner kennen keine Weihnachtsbäume oder sie seien nur aus Plastik. Das ist nicht ganz richtig. Seit es IKEA in Japan gibt, kann man dort Weihnachtsbäume kaufen. Allerdings sind diese sehr klein (1/4 von der Größe der Bäume, die wir in Deutschland kaufen können). Unser Weihnachtsbaum lebt jetzt auf dem Bücherschrank und duftet fleißig vor sich hin. Wenigstens verkauft IKEA auch diese Baumhalterungen, wo man Wasser hineingießen kann. So lebt der Baum etwa 5-6 Wochen.
  • Elektronische Klingeln auf Restauranttischen: Sie stehen nicht in jedem Restaurant auf dem Tisch, sind aber sehr praktisch, weil man dann die Bedienung rufen kann, wenn man sie braucht und sie nicht alle 5 min am Tisch steht und fragt, ob man was will. Privatsshäre ist das A und O.
  • Stehplätze im Zug: Besonders zur Rush-Hour sollte man Züge meiden, wo man sich wie in einer Sardinenbüchse fühlt, denn Sitzplätze in der Tokyoter U-Bahn sind Mangelware. Ich steige oft an Bahnhöfen ein, die sich vor denen befinden, wo die meisten einsteigen. So bekomme ich wenigstens mal einen Platz.
  • Bevor man in einen Bus oder einen Zug steigt, steht man an der Haltestelle nicht willkürlich herum. Auf dem Boden befinden sich farbige Markierungen, wo sich die Türen öffnen werden, und dort reiht man sich hintereinander auf. Vordrängeln ist frech! Nur beim Aussteigen darf man herausstürmen, wenn man nicht von der dahinter schiebenden Masse erdrückt werden will. Dieses Anstell-Verhalten habe ich auch in London beobachtet.
  • Hier wird auch wie in Großbritannien links gefahren.
  • Natürlich isst man hier auch mit Messer, Löffel und Gabel, allerdings nur wenn es Spaghetti oder großes Fleisch ist. Ansonsten werden immer Stäbchen benutzt. Selbst zum Kochen.
  • Japaner kennen keine festinstallierten Heizkörper. Zumindest nicht in den warmen Regionen des Landes. Es gibt Klimaanlagen, und was ich über den heißen Sommer gehört habe, ist das auch verständlich. Im Winter wird es selten unter 5°C kalt, jedoch kühlen jap. Häuser schnell aus. Darum kann man auch die Klimaanlage auf warme Luft einstellen. Ich denke mal, es sind auch Heizlüfter und Ölöfen in Gebrauch.
  • Wenn man bei Regen ein Geschäft betritt, gibt es an der Eingangstür einen Ständer, an dem lange, durchsichtige Plastiktüten hängen. Die sind für den nassen Schirm gedacht, damit man nicht während des Einkaufens das Geschäft volltropft oder andere Kunden nass macht. Wenn man den Laden wieder verlässt, zieht man die Tüte von seinem zusammengebundenen Schirm und wirft sie in den bereitstehenden Mülleimer.
  • Japaner sind ein geduldiges Völkchen. Ist ein Restaurant überfüllt, zieht man an einem Automaten eine Nummer (nicht überall) und setzt sich dann auf bereitgestellte Stühle, um zu warten. Dann wird man aufgerufen und bekommt einen Platz zugewiesen. Ich habe es sogar schon erlebt (bei einem Donut-Imbiss), dass einem bei Regen Schirme gegeben und frisch gebackene Ware angeboten werden. Warten lohnt sich also. ^^
  • Japaner hupen selten. Dann muss man schon fast einen Unfall bauen, dass man sich mit Hupen bemerkbar macht. Dann wird sich noch hinter dem Lenkrad mit Kopfnicken entschuldigt. Einfach nur witzig.
  • Im Restaurant braucht man nie etwas zu Trinken zu bestellen, wenn man mit kaltem Wasser zufrieden ist. Das wird nämlich allgemein kostenlos gereicht und auch kostenlos immer wieder nachgefüllt.
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Erdbeben

地震

Mein erstes Erdbeben habe ich am 8. Oktober erlebt, aber weil es so ungefährlich war, habe ich diese Information nicht in den Artikel vom „Baden zu Hause“ getan.

Es war genau 15.10 Uhr japanischer Zeit, als ich gerade ein wenig Freizeit hatte und am Schreibtisch saß und ich meine Schranktüren klappern hörte. Ich dachte erst, das sei der Bagger, der hier in der Nähe für ein Haus ein Loch ausgräbt, aber dann vibrierten die Fensterscheiben und meine Gastmutter rief laut „jishin“, sodass ich nur noch entgeistert das Vibrieren des Wassers in meinem Glas auf dem Tisch verfolgt habe. Eigentlich hätte ich aufspringen und mich in den Türrahmen stellen oder unter den Schreibtisch hocken sollen.

Für jene, die nie ein Erdbeben erlebt haben, ist es schwierig zu erklären, wie sich das anfühlt. Es ist so, als würde jemand eine große Gitarrenseite unter dem Fußboden anzupfen, die dann lange nachvibriert.

Laut der Japan Meteorological Agency war es in den meisten Fällen Stärke 2 und darum auch ungefährlich und kaum spürbar. Yokohama liegt auf der Karte westlich der Bucht von Tokyo. Das rote Kreuz ist wohl das Epizentrum. Meine Gastmutter hat sich nach dem etwa 10 Sekunden andauernden Beben erstmal erkundigt, ob ich in Ordnung sei. Klar, ich war ziemlich nervös, aber Angst hatte ich nicht. Sie hat mir dann geraten, bei einem starken Beben Schutz in der Toilette zu suchen, weil das der kleinste Raum ist, wo einem nichts auf den Kopf fallen kann und weil sie sich im Innern des Hauses befindet.