Gasthaus

客舎

Jetzt bin ich seit einer Woche zurück in Japan und wohne in einem Gasthaus, eigentlicht ist es ein Hostel, im Westen Tokyos. ZimmerBis zum Stadtzentrum ist es etwa eine halbe Stunde mit dem Zug. Ich wohne in einem kleinen Zimmer, das mir ein Bett, einen Tisch mit Stuhl und einen Schrank bietet. Es reicht aus. Platz ist aber nur spärlich da. Ich bin ja nur noch bis Samstag hier und dann ruft die Heimat.

Leider.

Ich versuche jetzt noch viele Freunde zu treffen und mir das anzusehen, was ich noch nicht sehen konnte. Zum Beispiel war ich im Tokyoter Stadtteil Shinjuku in dem Park Shinjukugyoen, in dem jetzt schon die Pflaumen- und Kirschbäume blühen. Eine wahre Pracht ist das, und die Japaner strömen in Scharen in die Parks, um zu picknicken.

Dann habe ich mir auch noch den Ostgarten des Kaiserpalastes angesehen, in den man kostenlos hineinkommt, und wo auch schon die Bäume blühen. Angeblich soll aber erst in zwei Wochen der ganze rosafarbene Spaß losgehen. LeidKirschblütener bin ich dann schon weg. Da es aber schon bis zu 22°C warm war, habe ich Glück, dass einige Bäume schon eher blühen.

Ich denke, dass ich ganz bestimmt, wenn das Geld stimmt, noch einmal nach Japan zurückkomme und ich mir dann eine Rundreise gönnen werde. Ich wollte ja zu gern noch Kyoto, Nara und Osaka sehen.

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Rückflug

復航

Meine Zeit in Singapur neigt sich dem Ende entgegen. 24 Wochen habe ich bei meiner Gastfamilie gewohnt. 24 wundervolle Wochen mit vielen Erlebnissen, und ich werde es nie vergessen, dass sie es mir ermöglicht hat Japan und Singapur kennenzulernen. Meine Arbeit bei ihnen und auch das Familienleben waren immer sehr gut, im Durchschnitt habe ich 34 Stunden die Woche gearbeitet, was durchaus okay ist.

Am Montagabend, den 16.3., geht mein Flieger nach Japan, wo ich noch ein paar Wochen bleiben werde, bevor ich mit dem Heimflieger nach Deutschland zurückkomme. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen, finde ich. Irgendwie geHübscher Vogel im Jurong Parkht immer alles, was schön ist, zu schnell zu Ende.

Über das Wochenende versuche ich noch ein paar Sehenswürdigkeiten wie den Singapurer Zoo mitzunehmen. Heute war ich im Japanischen und Chinesischen Garten, und letzten Sonntag im Jurong Vogelpark, der wirklich sehr schön ist.

Nach sechs Wochen habe ich mich auch wirklich an die Hitze gewöhnt. Man merkt dann schnell, wenn es kalt wird, und unter kalt versteht man hier 23°C. Tagsüber sind es ja im Durchschnitt 30°C, wenn es mal nicht regnet. Die Monsunzeit geht jetzt zu Ende und ich habe gehört, danach wird es noch heißer. Da ist es doch gut, dass ich zurück in die kühleren Länder reise. Solche Hitze mit 34°C ist für mich auf Dauer zu viel. Ständiges Schwitzen geht mir irgendwann auf die Nerven. Mal sehen, wie kalt es in Japan ist. Auf jeden Fall steht Kofferpacken demnächst wieder an.

Das Wetter in Japan

 

 

日本の天気

Heute widme ich mich mal dem Wetter in Japan. Seit ich im September hergekommen bin, habe ich eine kleine Wetterstatistik betrieben. Das war jetzt nichts Großes. Ich habe nur die Tageshöchsttemperaturen und die Wetterverhältnisse ab dem 25. September aufgeschrieben.

Allgemein wird das japanische Wetter im Tokyoter Raum als subtropisches Ostseitenklima bezeichnet und der warmgemäßigten Klimazone zugeordnet. Das bedeutet, dass es ganzjährig milde Temperaturen gibt. Im Sommer heiß und feucht (30°C am Tag, 20°C in der Nacht) und im Winter trocken und sonnig (10°C am Tag, 0°C in der Nacht). Manchmal fällt sogar Schnee. Von Juni bis Juli gibt es die Regenzeit (梅雨 tsuyu), die durch die feuchten Passatwinde aus dem Westpazifik hervorgerufen wird. Mitte Juli bis Ende August ist es heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit. Im September und Oktober drohen Taifune, die aber nicht länger als einen Tag dauern. Sie bringen starke Windböen und Regenfälle. Die Durchschnittstemperatur für Tokyo beträgt im Jahr 15,6°C, der wärmste Monat ist August mit durchschnittlich 27°C und der kälteste ist Januar mit 5°C. Am häufigsten regnet es im Juli, am wenigsten im Januar.

Natürlich kann ich mich nur auf knapp vier Monate beziehen, die ich hier war. Das bringt selbstverständlich kein abschließendes Ergebnis.

Als ich im September herkam, durfte ich noch die letzten Ausläufer der Hitze erleben. Tagestemperaturen von 26°C. Ab Anfang Oktober ging es aber auf dem Thermometer merklich runter auf etwa 20°C. Taifune habe ich keine erlebt, nur das schon erwähnte Erdbeben, was aber nichts mit dem Wetter zu tun hat. ^^

Der ganze Oktober war bis auf fünf Tage sonnig und brachte es am Ende auf eine Durchschnittstemperatur von 21,9°C. Im November wurde es merklich kühler und die Blätter haben sich langsam gelb und rot gefärbt. Im Durchschnitt waren es 15,5°C und es war auch sehr sonnig und kaum regnerisch. Ab Dezember habe ich dann gemerkt, wie es immer trockener wurde. Die Luftfeuchtigkeit sank auf 40%, verglichen im September bei noch 65%. Ich kann behaupten, dass es gerade mal an drei Tagen geregnet hat. Die Blumen sind im Garten langsam eingegangen. Unsere Einkaufsstraße war goldgGinkgo und Japanischer Ahornelb durch die Ginkgobäume. Wenn in Deutschland schon der Winter Einzug hält, fängt in Ostjapan erst der Herbst an.

Der Dezember schaffte es auf eine Durchschnittstemperatur von 12,3°C. Jetzt im Januar ist es immer noch sehr trocken. 30% Luftfeuchtigkeit merkt man dann, wenn die Haut auf den Händen anfängt rissig zu werden und man nachts nicht schlafen kann, weil einen der Reizhusten ärgert. Dafür haben wir im Haus Luftbefeuchter. Im Wohnzimmer läuft er fast den ganzen Tag. In der Nacht habe ich feuchte Handtücher in meinem Zimmer hängen. Die sind aber meistens nach vier Stunden schon wieder trocken. Ein Eimer Wasser soll da Abhilfe schaffen. ^^

Für Januar kann ich fast nur das Gleiche vom Dezember erzählen. Es ist trocken, und sehr sonnig. Drei Wochen schien die Sonne ununterbrochen, dann gab es zwei Regentage und seitdem ist es wieder trocken. Überhaupt nicht zu vergleichen mit dem depressiv machenden, wolkenverhangenem Winter in Deutschland. Hier wird man nicht depressiv! Im Moment liegt die Durchschnittstemperatur bei 8,8°C, und wenn ich daran denke, dass in Deutschland schon Minusgrade unter fünfzehn waren, bekomme ich eine Gänsehaut.

Einen lieben Gruß an die Frostbeulen 🙂


P.S. Für eine Weile wird das jetzt mein letzter Eintrag sein, bis der nächste im Februar folgt. Am 26.1. ziehen wir nämlich aus unserem Haus aus, bei Azusas Eltern für eine Woche ein, und dann fliegen wir am 2.2. nach Singapur. Wann und wo ich dann wieder Internet habe, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Silvester und Neujahr

大みそかとお正月

Zum zweiten Mal in meinem Leben habe ich nun einen Jahreswechsel in einem fremden Land erlebt und im Großen und Ganzen war es ganz okay.

Da aber Christoph nicht da war, habe ich die Zeit mit Azusa und den Kindern verbracht. Silvester ist gewöhnlicherweise ein Fest der Familie und ich bin mir sicher, dass jede es ein wenig anders feiert, mit Silvestergirlanden und Konfetti und Sekt. Mein Silvester war allerdings etwas anders. Zum Abendessen gab es traditionell Soba, die man schön schlürfen muss und ja nicht abbeißen sollte, da sie für langes Leben stehen und man sein Leben ja nicht verkürzen möchte. Dazu haben wir ein Käsefondue und einen leckeren Tomaten-Gurkensalat gegessen. Die Kinder wurden danach wie üblich ins Bett gesteckt und wir Frauen haben dann über das Radio einer Live-Silvestershow gelauscht, in der sogar Enya aufgetreten ist. Genau die Enya, deren Lied „Only Time“ für die Trauer um den Einsturz des World Trade Centers im Fernsehen gespielt wurde.
Leider haben wir nicht bis Mitternacht gewartet und mit Sekt oder Wein angestoßen, da Azusa sehr müde war (ist sie meistens wegen der Kinder) und halb zehn ins Bett gegangen ist. Ich war dann noch bis Mitternacht wach, habe gelesen und mich dann ans Fenster gesetzt und darauf gewartet, bis es 0 Uhr war, um das Schlagen der Schreinglocken zu hören. 108-mal schlagen sie; für die 108 irdischen Sehnsüchte stehend, die dem Menschen angeblich Leid bereiten.

Der Neujahrsmorgen war dann verglichen mit dem Silvesterabend schöner. Wir haben traditionell Reiswein ( sake) zum Frühstück getrunken (die Kinder natürlich nicht), in Reisessig eingelegtes Gemüse (お膾 o-namasu) und die traditionelle Neujahrssuppe (お雑煮 o-zôni) gegessen, deren Zutaten regionabhängig variieren. Bei uns war alles in weiß-rot gehalten. Also weiß-rote Fischpastete (蒲鉾 kamaboko), weißer Reiskuchen ( mochi), weißes Hühnerfleisch, roter Lachsrogen (イクラ ikura) und Gemüse. Dazu haben wir Grüntee (お茶 o-cha) getrunken, bei dem man sich immer zweimal nachgießt, weil es sonst Unglück bringt.
Ab Neujahr benutzt man die extra käuflich zu erwerbenden Essstäbchen, die man bis zum 3.1. für das Essen der traditionellen Gerichte (御節料理 o-sechi-ryôri) verwendet. Man wäscht sie nicht ab (also immer gut mit dem Mund sGlückspfeileäubern). Außerdem darf man bis Mittag nichts schneiden, sonst bringt es auch Unglück. Sollte man also wirklich was schneiden, macht man das einen Abend vorher oder wartet bis Mittag.
Nach dem Frühstück sind wir in einen nahegelegenen Schrein gegangen. Den ersten Gang zum Schrein oder Tempel nennt man hatsumode (初詣). Schließlich wollte ich gerne sehen, was Japaner traditionell machen. Es gab viele Menschen, die dort die Glocke geläutet haben, um zu beten, dann wiederum welche, die an den Verkaufsständen süßen Reiswein (甘酒 amazake) gekauft haben (der echt fürchterlich schmeckt), und welche, die Glückspfeile gekauft haben. Auf dem Weg zum Tempel sind wir an vielen Häusern vorbeigekommen, die Neujahrsschmuck (門松 kadomatsu) an den Türen hatten. Sogar Autokennzeichen waren geschmückt. Neujahrsschmuck
An den drei Neujahrsfeiertagen (1.-3. Januar) schreiben Japaner auch Unmengen von Neujahrskarten (年賀状 nengajô) an Verwandte, Freunde usw. und ich glaube, wir haben an einem Tag fast dreißig Karten auf einmal bekommen. Dieses Jahr ist das Jahr des Ochsen (うし ushi), darum sind auch jetzt viele Karten mit einem kleinen Ochsen bedruckt.
Zum Abendessen waren wir bei Azusas Eltern eingeladen. Höflich begrüßte man uns mitakemashite omedetô gozaimasu (あけましておめでとうございます), was wörtlich so viel wie „das neue Jahr beginnt“, also „Frohes neues Jahr“ bedeutet. Wie schon zur Weihnachtsfeier hatten die Eltern alles Mögliche aufgetafelt. Es gab Sake, Krabbe (カニ kani), Schinken, in Miso eingelegtes Schweinefleisch, marinierten Lachs, gesüßte schwarze Bohnen (黒豆 kuromame), Shiitake-Pilz (シイタケ), Ginkgosamen (いちょう ichô), süßer Kartoffelbrei mit Esskastanien (栗金とん kurikinton) und eine klare Brühe (お吸い 物 o-suimono), die aus dem Küchenkraut Mitsuba (ミツバ), Tofu (豆腐), Yuba (ゆば), Seitan (), Jamswurzel (ヤマノイモ yamanoimo) und Somen (素麺 sômen) bestand. Ich hoffe, ich habe euch jetzt nicht alle mit den ganzen Kanji erschlagen. Ich war nur sehr fleißig und habe alles mit Hilfe meiner Gastmutter notiert, damit ich es nicht vergesse.
Am Ende war ich so vollgefuttert, dass ich am nächsten Morgen Magenkrämpfe hatte, aber wozu gibt es Kamillentee und Paracetamol? ^^

Weihnachten

クリスマス

Ja, Weihnachten wird auch in Japan gefeiert. Der Einfluss kommt dafür aus Amerika und darum sind die Bräuche die gleichen. Die Kinder bekommen ihre Geschenke am Morgen des 25. Dezembers.

Für Weihnachten hatten wir uns am 2. Dezember einen Weihnachtsbaum bei IKEA gekauft. Allerdings ist der nur einen Meter hoch. Wir haben ihn geschmückt, sogar einen Adventskalender auftreiben können und dann Weihnachten erwartet. Am 23. Dezember stieg dann eine kleine Weihnachtsfeier bei den Eltern meiner Gastmutter mit Freunden und ganz viel zu essen. Wir waren eine nette Runde von zwölf Personen und so viel wie ich an diesem Abend gegessen habe, habe ich noch nie gegessen. Es hat mir viel Spaß gemacht mit anderen Japanern zusammen zu sein, mit ihnen zu reden (auch wenn es nur holpernd voranging) und zu erfahren, was sie über Deutschland denken. Nach wie vor gibt es eine hohe Meinung.

Am 24. Dezember kamen dann die Großeltern zu uns, es gab ein leckeres Weihnachtsessen, deutsche Weihnachtsmusik (Vielen Dank an meinen Papa!), Kuchen usw. und am Abend haben wir dann die Geschenke ausgetauscht. Ich habe sogar von den Großeltern was bekommen. Das hat mich sehr erstaunt und ich war total glücklich, dass sie an mich gedacht hatten. Danach brachten wir die Kinder ins Bett und am Morgen des 25. haben die Kleinen noch eine Kleinigkeit vom Weihnachtsmann bekommen.
Meine Gastfamilie versucht nämlich japanische und deutsche Weihnachtstradition zu mischen. Am 24. gibt es die Geschenke der Familie, am 25. die des Weihnachtsmanns.

Am 26. war dann mein Geburtstag und es sah so aus, als hätte meine Gastfamilie den vergessen, bis sie mich dann mit einem Geburtstagslied und einem kleinen Geschenk überrascht hat. Am Abend haben wir dann Weihnachtspudding gegessen, weil der leckere Kuchen schon am 23. und 24. Dezember aufgegessen worden war.

Ich muss zugeben, eine rechte Weihnachtsstimmung ist hier nicht aufgekommen wie ich sie in Deutschland kenne, aber das war nicht schlimm. Wir hatten ja sogar Stollen aus Dresden (verkauft in Japan) von den Großeltern geschenkt bekommen. So gab es wenigstens geschmacklich was aus Deutschland. ^^ Hier ist es einfach zu warm für Weihnachten. Mir fehlt die Kälte, der Schnee, der Weihnachtsmarkt, der Glühwein (gut, hier gibt es auch welchen zu kaufen) und der Geruch von gerösteten Mandeln in der Luft.

Allerdings kann ich das ja alles nächstes Jahr haben, darum freue ich mich schon sehr darauf.

Typisch japanisch

いかにも日本人の

Jetzt lebe ich ja schon zwölf Wochen in Japan und während meines Aufenthaltes sind mir schon viele Dinge über den Weg gelaufen, die es nicht bei uns in Deutschland gibt, von denen ich auch einige gut finde und andere wiederum nicht.

  • Rolltreppenbenutzung (hier gibt es Rolltreppen, die so schmal sind, dass nur eine Person auf der Stufe stehen kann): Man steht auf der linken Seite, wenn man sich gemütlich hoch- oder runterfahren lassen möchte. Die rechte Seite ist für die Eiligen. Genau solch ein Verhalten habe ich auch in London beobachten können. Dort steht man allerdings rechts, um langsam zu sein und eilt links vorbei.
  • 2 Varianten von Toiletten: 1. Moderne jap. Toiletten haben Bedienelemente für das eingebaute Bidet zur Intimreinigung, sehen optisch aber genauso aus wie westliche Toiletten. 2. Traditionelle jap. Toiletten sind Hockklos. Diese bedürfen ein wenig Übung beim Hinhocken. Bei ihnen ist ein Urinal aus Porzellan im Boden eingelassen (wie teilweise in Frankreich), über das man sich hockt. Für das Spülen muss man nicht erst ein Bedienelement entziffern, sondern betätigt einfach einen Hebel. Da man hier gute Körperbalance braucht, sind oft Haltegriffe in der Toilette eingebaut. Allerdings bieten viele Restaurants oder Einkaufsstraßen westliche Toiletten. Man muss sich also nicht auf Bückkurs begeben. ^^
  • In den Spülkästen sind oft Waschbecken integriert (so wie auch bei mir in der Gastfamilie). So wird gleich das Wasser wiederverwendet. Das reduziert den Wasserverbrauch und schont die Umwelt. (Allerdings verbrauchen die Japaner allein durch das tägliche Baden schon genug Wasser.)
  • Im Winter ist bei uns jetzt die Toilettenbrille beheizt. Was für ein Komfort, mal davon abgesehen, was die jap. Toilette außer Intimspülung noch alles kann.
  • Man duscht im Sitzen auf einem Hocker. Das trifft 100% auf Onsen zu. In meiner Gastfamilie kann man sich aber auch nach Belieben hinstellen. Es sieht ja keiner zu. ^^
  • Jeden Tag bebt es etwa sechs- bis zehnmal in Japan.
  • Straßenschuhe zieht man im sogenannten genkan (Eingangsbereich, Flur) aus und betritt über eine Stufe das Wohnhaus. In meiner Gastfamilie gibt es auch Hausschuhe. Da Japaner ihre Lebensbereiche in „rein“ und „unrein“ unterteilen, schlüpft man auch für den Gang auf die Toilette in extra vorhandene Toilettenschuhe. Und beim Verlassen bitte nicht vergessen die Schuhe wieder auszuziehen! Es ist megapeinlich, dabei erwischt zu werden, wie man mit den „unreinen“ Pantoffeln im „reinen“ Haus herumläuft. Mir ist das zum Glück nie passiert.
  • Einkaufen macht Spaß, weil die Angestellten die Kundschaft immer freundlich begrüßen und verabschieden. Alle haben ein Lächeln auf den Lippen, ob nun erzwungen oder nicht.
  • Man verbeugt sich zur Begrüßung. Händeschütteln kommt vulgär rüber.
  • Draußen vor den Restaurants wird das Menü in Form von Plastikessen im Schaufenster präsentiert. So kann man schon einen Ausblick auf das Angebot haben.
  • Typisch japanisches Frühstück besteht aus grünem Tee, Fisch, Reis, Miso-Suppe, Gemüse usw. Allerdings wird bei uns Weißbrot gebacken und ich kann jeden Tag Toast und Marmelade essen. Dazu Earl Grey Tee.
  • Man nimmt an, Japaner kennen keine Weihnachtsbäume oder sie seien nur aus Plastik. Das ist nicht ganz richtig. Seit es IKEA in Japan gibt, kann man dort Weihnachtsbäume kaufen. Allerdings sind diese sehr klein (1/4 von der Größe der Bäume, die wir in Deutschland kaufen können). Unser Weihnachtsbaum lebt jetzt auf dem Bücherschrank und duftet fleißig vor sich hin. Wenigstens verkauft IKEA auch diese Baumhalterungen, wo man Wasser hineingießen kann. So lebt der Baum etwa 5-6 Wochen.
  • Elektronische Klingeln auf Restauranttischen: Sie stehen nicht in jedem Restaurant auf dem Tisch, sind aber sehr praktisch, weil man dann die Bedienung rufen kann, wenn man sie braucht und sie nicht alle 5 min am Tisch steht und fragt, ob man was will. Privatsshäre ist das A und O.
  • Stehplätze im Zug: Besonders zur Rush-Hour sollte man Züge meiden, wo man sich wie in einer Sardinenbüchse fühlt, denn Sitzplätze in der Tokyoter U-Bahn sind Mangelware. Ich steige oft an Bahnhöfen ein, die sich vor denen befinden, wo die meisten einsteigen. So bekomme ich wenigstens mal einen Platz.
  • Bevor man in einen Bus oder einen Zug steigt, steht man an der Haltestelle nicht willkürlich herum. Auf dem Boden befinden sich farbige Markierungen, wo sich die Türen öffnen werden, und dort reiht man sich hintereinander auf. Vordrängeln ist frech! Nur beim Aussteigen darf man herausstürmen, wenn man nicht von der dahinter schiebenden Masse erdrückt werden will. Dieses Anstell-Verhalten habe ich auch in London beobachtet.
  • Hier wird auch wie in Großbritannien links gefahren.
  • Natürlich isst man hier auch mit Messer, Löffel und Gabel, allerdings nur wenn es Spaghetti oder großes Fleisch ist. Ansonsten werden immer Stäbchen benutzt. Selbst zum Kochen.
  • Japaner kennen keine festinstallierten Heizkörper. Zumindest nicht in den warmen Regionen des Landes. Es gibt Klimaanlagen, und was ich über den heißen Sommer gehört habe, ist das auch verständlich. Im Winter wird es selten unter 5°C kalt, jedoch kühlen jap. Häuser schnell aus. Darum kann man auch die Klimaanlage auf warme Luft einstellen. Ich denke mal, es sind auch Heizlüfter und Ölöfen in Gebrauch.
  • Wenn man bei Regen ein Geschäft betritt, gibt es an der Eingangstür einen Ständer, an dem lange, durchsichtige Plastiktüten hängen. Die sind für den nassen Schirm gedacht, damit man nicht während des Einkaufens das Geschäft volltropft oder andere Kunden nass macht. Wenn man den Laden wieder verlässt, zieht man die Tüte von seinem zusammengebundenen Schirm und wirft sie in den bereitstehenden Mülleimer.
  • Japaner sind ein geduldiges Völkchen. Ist ein Restaurant überfüllt, zieht man an einem Automaten eine Nummer (nicht überall) und setzt sich dann auf bereitgestellte Stühle, um zu warten. Dann wird man aufgerufen und bekommt einen Platz zugewiesen. Ich habe es sogar schon erlebt (bei einem Donut-Imbiss), dass einem bei Regen Schirme gegeben und frisch gebackene Ware angeboten werden. Warten lohnt sich also. ^^
  • Japaner hupen selten. Dann muss man schon fast einen Unfall bauen, dass man sich mit Hupen bemerkbar macht. Dann wird sich noch hinter dem Lenkrad mit Kopfnicken entschuldigt. Einfach nur witzig.
  • Im Restaurant braucht man nie etwas zu Trinken zu bestellen, wenn man mit kaltem Wasser zufrieden ist. Das wird nämlich allgemein kostenlos gereicht und auch kostenlos immer wieder nachgefüllt.

Izu

伊豆

Von Sonntag bis Dienstag bin ich mit meiner Gastfamilie hinunter auf die Halbinsel Izu gefahren. Izu ist genauso wie Hakone für seine Onsen bekannt und auch dieser Ausflug sollte viel mit Baden zu tun haben. Die Izu-Halbinsel befindet sich südwestlich von Tokyo zu Füßen des Fujisan und ist ein großes Erholungsgebiet wegen ihrer Onsen und den guten Tauchplätzen. Bekannt ist Izu als wichtigster Wasabi-Produzent Japans. Man kann hier sogar Eis mit Wasabi-Geschmack kaufen. Probiert habe ich es aber nicht.

Am Sonntagmorgen sind wir gegen elf Uhr mit dem Auto los Richtung Süden. Das Wetter war so klar, dass wir schon von Yokohama den Fujisan sehen konnten. Wir machten für das Mittagessen einen kleinen Stopp an einem Schnellrestaurant und dann ging es weiter. Bald tauchte auf der rechten Seite das Meer auf und verschwand auch gleich wieder, weil die Izu-Halbinsel aus vielen Hügeln besteht. Die Landschaft ist wirklich unbeschreiblich schön hier. Für Fans des Films „Shogun“: Hier wurde viel für den Film gedreht! Tja, und ich hab es gesehen. ^^

Ungefähr drei Stunden brauchten wir bis Izu (2004 aus dem Zusammenschluss der Dörfer Toi, Amagiyugashima, Nakaizu Wandschrankund Shuzenji gegründet) und bezogen dort unser Hotel im Ortsteil Toi. Wie in vielen Hotels, die Onsen haben, sind die Zimmer alle traditionell japanisch. Das bedeutet man öffnet die Tür und kommt in einen kleinen Flur, zieht hier die Schuhe aus, geht über eine Stufe und betritt den Wohnraum, der aus Tatamimatten besteht. Wir hatten auch einen Balkon und neben der Eingangstür befand sich ein Waschraum und die Toilette. Im Wohnraum befand sich im eingebauten Wandschrank alles, was wir zum Schlafen brauchten, Futon, Decken und Matratzen. Wenn man das alles rausgeräumt hatte, war soviel Platz, dass man einen Erwachsenen darin hätte verstecken können. Ich muss zugeben, ich habe darin mit Felix Verstecken gespielt.

Natürlich bin ich noch am ersten Tag vor dem Abendessen mit meiner Gastmutter ins Onsen gegangen. Das wollten wir uns nicht nehmen lassen. Sowieso besteht ein Hotelbesuch in Izu meistens nur daraus zu entspannen, zu baden, die Gegend zu entdecken, wieder zu baden und gaaaanz viel zu essen.  Oder sagen wir mal besser, Urlaub in Japan besteht oft nur aus drei Tagen Faulsein, weil die Japaner immer so wenig Urlaub nehmen und sich entspannen können.
Diesmal hatten wir kein privates Onsen wie in Hakone, sondern nur ein öffentliches, geschlechtergetrenntes Bad. Auch hier zieht man vor Betreten des Bades die Hausschuhe aus (diese bekommt man vom Hotel), dann geht man in den großen Umkleideraum (keine Einzelkabinen), wo in unserem Fall auf der rechten Seite Frisiertische mit Spiegeln standen und links ganz viele Körbe mit Nummern, worin man seine Kleidung gelegt hat. Man kann hier getrost alles unbeaufsichtigt zurücklassen. In Japan stiehlt niemand. Jeder nimmt Rücksicht auf den anderen. Japan, ich liebe dich!

Also, man zieht sich aus und geht dann ins Bad hinein. Bei uns befand sich das Badebecken mit den Waschplätzen in einer Halle. Vor dem Baden seift man sich gründlich ein und wäscht alles gut ab. Danach kommt der Härtetest, wieSonnenuntergang lange man 42-44°C warmes Wasser aushält. Ich habe es immer 10 min ausgehalten, dann eine kleine Pause gemacht und wieder rein ins Wasser. Es ist ja so entspannend und vom Becken konnten wir den Sonnenuntergang beobachten. Es war so schön. Es gab auch ein Außenbecken (ein rotenburo 露天風呂). Da wird dann der Kopf kalt und die Hände dampfen durch die Hitze des Wassers. Selbst Japaner bleiben nicht länger als 10-15 min im Wasser (zumindest Frauen). Ich hab beim zweiten Baden vielleicht ein wenig übertrieben. Ich hab dann schon Sterne gesehen. ^^ Es ist aber auch so schön und wenn man dann gleich zum superlecker hergerichteten Abendessen geht, ist man so richtig entspannt.

Das Abendessen war aber auch unglaublich! Natürlich Fisch in allen Varianten, aber auch Skampi, Hummer, Tintenfisch, Qualle usw., was vielleicht so manchen Deutschen abschreckt zu essen. Ich habe aber auch alles probiert. Qualle schmeckt nach nichts. Isst man es mit Sojasoße schmeckt es natürlich danach. Tintenfisch ist mir zu fischig gewesen. Hummer war einmalig lecker und Skampi auch.
Nach dem Abendessen nochmal baden und dann ins Bett, das während des Abendessens vom Hotelpersonal hergerichtet wurde. Alle schlafen in einem Raum.

Drei Tage habe ich das alles genossen.
Baden, baden, baden. Ich glaube, ich war sechsmal baden an diesen drei Tagen, als wir dort waren. Danach war ich rot wie ein Hummer, aber alle meine Rückenschmerzen waren weg. Außerdem ist das Wasser sehr gut für Leute mit Hautproblemen, Verspannungen und Entzündungen, da Natrium, Magnesium, Kalium, Chlorid, Brom und andere Sulfate darin enthalten sind.
Natürlich sind wir auch den Ort erkunden gegangen. In Toi befindet sich zum Beispiel die weltgrößte Blumenuhr und ein Museum über die Zeit der Goldsuche in Toi. Dort kann man eine Mine besichtigen. Wir haben sie uns angesehen.

Alles in allem war Izu wunderschön! Wahrscheinlich war das jetzt aber unser letzter Ausflug in ein Onsen. Es war immerhin sehr teuer.