Nach Regen folgt Sonne

All bad things come to an end and good things start

Nun wohnte ich also in Dulwich, was sehr schön grün und dörflich wirkt. Allerdings dauerte es mit dem Zug etwa dreißig Minuten, um nach London reinzukommen und ich kam mir etwas am A… der Welt vor. Somit kam ich mit der Umstellung nur schwer zurecht. Ich wohnte nun mit den Eltern und den Jungs auf einer Etage (die Tochter hatte das Zimmer unter dem Dach bekommen, was ich so gern gehabt hätte, um meine Ruhe zu haben), sodass ich am Wochenende gar nicht mehr ausschlafen konnte, weil niemand die schreienden Kinder zurechtwies. Wie konnten sie da nur erwarten, dass ich immer guter Laune und fit bin? Schließlich bin ich auch nur ein Mensch und keine Supernanny.
Zu meinen Aufgaben gehörte es nun die Jungs morgens zur Kita zu bringen, und zwar mit einem Fahrrad, wo die Kinder vorn in einem Wagen drin saßen. Das ganze klang sehr aufregend und ich war gespannt darauf, die Kinder herumzufahren, weil ich auch gern Fahrrad fahre, aber auf Dauer wurde mir die ganze Sache einfach zu anstrengend, weil es in Dulwich recht hügelig ist. Von der Mutter erhielt ich hin und wieder Unterstützung, dass sie mir eines der Kinder abnahm, aber das machte sie auch nicht regelmäßig.
Außerdem stellte sich die Idee der Mutter, sich selbstständig zu machen, als Schnapsidee heraus. Sie bekam es einfach nicht hin, hängte die Sache an den Nagel und verbrachte die Tage damit ihre Fingernägel zu lackieren, Haare zu färben, Freunde einzuladen und im Internet rumzuhängen, auch wenn die Kinder da waren und sie ihre Liebe und Zuneigung wollten. Damit konnte ich nicht mehr umgehen und wollte es auch nicht.
Das Schreien und Meckern nahm merklich zu und ich war hauptsächlich damit beschäftigt, in der Gegend herumzukutschen, zu kochen und die Kinder zu versorgen. Ich kam mir vor, als sei ich die Mutter. Der Kleinste hatte sogar schon angefangen, meinen Namen nachts zu rufen, wenn er wach wurde.

An Pause war gar nicht mehr zu denken. Oft machte ich alles sehr schnell, um für mich eine halbe Stunde herausschlagen zu können, damit mir die Kraft für den Tag nicht schwand. Schließlich wurde es mir auch zu viel. Ich hatte zudem herausgefunden, dass ich unterbezahlt wurde und ich zu viele Stunden arbeitete. Es kam wie es also kommen musste.

Ich kündigte meiner Gastfamilie am 8. Oktober 2014 aus den oben genannten Gründen. Sie wünschten, dass ich nochmal drüber schlafe, aber ich war ziemlich felsenfest überzeugt.
Letzten Endes fand ich 12h Arbeit am Tag mit vielleicht 30min Pause plus 3x Babysitting in der Woche sehr anstrengend. £200/Woche war da echt ein Mickerlohn.

Ich suchte überall im Internet nach einem neuen Live-in Nanny Job (da ich noch nicht genug Geld für eine eigene Wohnung und somit Live-out hatte) und stolperte dabei über eine Anzeige, die mich mit einer Agentur in Verbindung brachte, anstatt mit einer Familie (wie ich eigentlich wollte). Ich mag keine Agenturen (wegen schlechter Erfahrung) und erzählte denen das auch, gab ihnen aber eine Chance. Sie nahmen meine Wünsche und Referenzen auf, wir skypten zusammen, damit sie mich kennenlernen konnten und dann suchte ich weiter im Internet. Ungefähr zwei Wochen später meldete sich die Agentur – ich hatte nur noch 10 Tage bis ich meine Gastfamilie verlassen musste – und die sagte mir, sie haben eine passende Familie mit drei Kindern gefunden. Eigentlich wollte ich keine drei Kinder (meine Erfahrung zeigte mir, dass es sehr anstrengend ist), aber die Agentur versicherte mir, dass das dritte Kind – ein Mädchen, 4 Jahre alt – tagsüber hauptsächlich in der Vorschule sei. Es gäbe nur die zwei anderen Kinder – Zwillingsjungs, 13 Monate alt – die ich betreuen sollte und es gäbe wohl noch eine zweite Nanny, mit der ich die Schicht teilen würde. Die Familie hatte einen jüdischen Hintergrund, lebte aber nicht nach den traditionellen und religiösen Regeln. Ich machte einen Vorstellungstermin aus und traf mich nach der Arbeit mit der Familie, die im Norden Londons lebte.

Das Interview verlief super! Die Familie wohnte in einem ähnlichen Haus wie ich in Hammersmith gewohnt hatte und im dritten Stock besaßen sie ein Zimmer mit Blick nach Süden über die ganze Stadt. Das war unglaublich. Die Kinder lernte ich beim Interview nicht kennen, weil sie schon schliefen.
So kam es, dass ich am 22. November Dulwich verließ und mit Sack und Pack im Taxi verstaut in den Norden zog. Ich war ziemlich unglücklich die Kinder zurückzulassen, aber ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl. Zwei Jahre waren schon eine lange Zeit. Ich hab gesehen, wie sich der Kleinste vom Baby zum Kleinkind entwickelte und Laufen und Sprechen lernte. Für mich wird er immer „mein kleiner Liebling“ sein.

Ich brachte meine ganze Habe in Kartons – und das waren schon eine ganze Menge, die sich in zwei Jahren angesammelt hatten – zu einer Bekannten und zog nur mit zwei Koffern bei der neuen Familie ein. Schon zu Anfang stellte sich heraus, dass eins der Zwillingsjungs Schwierigkeiten mit mir hatte, womöglich weil er mit dem Wechsel nicht zurechtkam, aber ich machte das Beste draus. Meine Arbeitszeiten waren vier Stunden morgens und fünf Stunden nachmittags und dazwischen war die andere Nanny da, die auch bis sieben Uhr blieb. Ich kam sehr gut mit ihr aus und wir wurden ein prima Team. Ich bestand die Probezeit nach einer Woche und brachte meine Kartons von meiner Bekannten zu meiner neuen Adresse.

Unglücklicherweise erkrankte ich um den 28. November so sehr, dass ich mich nicht mehr in der Lage sah zu arbeiten, und fiel für drei Tage aus. Ich lag mit hohem Fieber im Bett und fühlte mich in meinem Zimmer ziemlich verloren, weil ich mit der Familie noch nicht so eng war und wirklich keiner mal vorbeikam, um zu sehen, wie es mir ging. Ich kroch mit Ach und Krach hin und wieder mal die Treppen rauf und runter, um mir was zu essen zu machen oder zu trinken zu holen. In dieser Zeit hab ich meine Familie und Freunde unglaublich vermisst. Ich hätte im Obergeschoss sterben können und keiner hätte es bemerkt. Na gut, ich übertreibe, aber zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich echt so. Hinzu kamen Gewissensbisse, weil ich kurz nach der bestandenen Probezeit krank wurde, und ich in all der Zeit, die ich in London war, nie gewesen krank war.

Ich erholte mich schließlich wieder so weit, dass ich arbeiten konnte, musste dann aber drei Tage später erfahren, dass mich die Familie doch nicht übernehmen wollte, weil sie sah, dass sich ihr kleiner Junge immer noch nicht an mich gewöhnen wollte. Meiner Meinung nach hat er einfach nur gefremdelt, was in dem Alter typisch ist und sich mit der Zeit verwächst. Allerdings wollte die Mutter nicht im Januar auf Arbeit gehen und dann wissen, dass sich ihr Kleiner zu Hause die Augen nach ihr ausweint, weil er nicht mit mir zusammen sein will.
Nun kam die große Verzweiflung. Was machte ich jetzt? Am 21. Dezember wollte ich eigentlich nach Hause in den bereits geplanten Weihnachtsurlaub fahren und mich nicht nochmal mit Jobsuche rumplagen. Ich hielt natürlich meine Agentur auf dem Laufenden und hoffte sehr, dass sie mich nicht hängen ließ und sie mir eine neue Familie vermitteln konnte. Die war natürlich nicht erfreut, wie die Familie mit mir umging, da ich ja die Probezeit bestanden hatte, aber sie versicherte mir, dass ich nicht auf der Straße sitzen würde.

Die Familie entschuldigte sich bei mir und versicherten, ich könnte bis Anfang Januar im Haus bleiben, auch wenn sie am 10. Dezember in den Urlaub flögen. Das war dann mal ein netter Schachzug, allerdings wollte ich denen auch nicht so lange auf der Pelle sitzen.

Meine Bekannte ließ mich glatt sitzen, weil sie frisch umgezogen war und niemanden in ihrer neuen Wohnung wohnen lassen wollte. Sie hatte so einige blöde Ausreden, die mich echt verletzten, da ich ihr einst ausgeholfen hatte, als sie ein Dach über dem Kopf brauchte. Wahre Freunde bewähren sich wirklich in der Not. Sie ist keiner mehr davon.

Ich bangte recht lange, bis mir die Agentur mitteilte, dass sie eine potentielle Familie für mich hatten. Bis dahin hatte ich über eine Anzeige, die meine Chefin ins Internet gestellt hatte, schon so einige Interessenten am Handy gehabt, mir aber nicht zusagten.

Man stelle sich mal vor, da rief mich eine Frau mit vier Kindern an und ich sollte die Kinder und den Haushalt für einen Mickerlohn schmeißen. Der hab ich erstmal die Meinung gegeigt. Schulen und Kindergärten werden Unmengen an Geld für die Kinderbetreuung und Vermittlung von Wissen bezahlt, aber bei Nannys halten sich die Familien kurz oder was? Dabei machen Nannys dasselbe nur im Privathaushalt und bieten viel bessere Betreuung, weil man dem Kind 100% geben kann. Das kommt in der Schule oft zu kurz.

Vor meinem Interview mit der neuen Familie besuchte ich noch eine junge, jüdisch-orthodoxe Familie mit Baby und Kleinkind in Golders Green (Nordlondon), die mir aber mit ihrem streng religiösen Lebensstil nicht zusagten. Da war eine jüdische Nanny wohl einfach das Beste.

Schließlich traf ich die neue Familie zu einem Interview in der zweiten Dezemberwoche, wobei ich überrascht war, dass sie nur zehn Minuten von mir weg in Queen’s Park wohnten. Ich lernte die Mutter kennen – die Kinder waren schon im Bett und ihr Mann arbeiten – und war von der Größe des Hauses und den Annehmlichkeiten überrascht, die sich hier befanden. Da kann man wirklich sagen, dass sie reich waren. Mein erstes Gefühl war eher „Ich kann mir nicht vorstellen, hier zu leben, weil sie so wohlhabend sind“, jedoch verlief das Interview sehr gut. Nur 24 Stunden später teilte mir die Agentur mit, dass mich Vivien (Name aus Datenschutzgründen geändert) für eine Probezeit haben möchte, am besten gleich in der folgenden Woche (genau die letzte Woche vor meinem Urlaub). Ich war mir nicht sicher, ob ich die Familie überzeugen konnte, da ich Angst hatte, dass es wieder Schwierigkeiten mit den Kindern geben würde, aber ich absolvierte meine Probezeit mit Bravour und erfuhr schon am vierten Tag, dass man mich haben will. Die drei Kinder (19 Monate, 3 und 6 Jahre alt) waren recht willkommenheißend, auch wenn es natürlich die typischen Wutausbrüche der Dreijährigen gab. Das hatte dann nichts mit mir zu tun, weil sie es mit allen anderen auch machte. Viviens Ehemann Paul (Name geändert) war auch ein ganz netter Kerl und er überließ seiner Frau die ganze Organisation. Sie war sozusagen der Boss.
Letztendlich erhielt ich den Job, zog bei ihnen ein, und konnte fröhlich und glücklich in den Weihnachtsurlaub starten. Da fielen mir so einige Felsbrocken und Sorgen vom Herzen. Ich bin mir sicher, dass ich so krank geworden bin, war weil ich physisch und psychisch angeschlagen war.

Offiziell begann ich schließlich meinen neuen Job am 5. Januar 2015 und bin seitdem hier. Ich bekomme mehr Geld, arbeite weniger Stunden, hab 2-3 Stunden Pause am Tag und bin glücklich mit der Familie. Ich habe im Keller (dem sogenannten Basement) mein eigenes Apartment mit Küche, Bad und Schlafzimmer und auch wenn mich der Keller erst abschreckte, so dunkel ist es hier nicht. Und laut ist es erst recht nicht. Ich kann zwei Türen hinter mir schließen und da die Schlafzimmer der Eltern und Kinder über die erste und zweite Etage verteilt sind, hab ich am Wochenende Ruhe (okay, manchmal höre ich die Kids im Spielzimmer/Videoraum, was auch im Keller ist). Ich kann mich erholen und bin fit für meinen Job, was für mich das Wichtigste ist.
Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich gekündigt habe und jetzt ein „neues Leben“ mit dieser Familie erleben werde. Hier wird nicht gebrüllt und die Eltern und ich sind im Einklang mit der Kindererziehung.

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Der neue Job

The new job

Seit zwei Tagen bin ich jetzt schon in London und finde endlich die Zeit etwas zu schreiben. Mein Start nach Großbritannien oder die UK – wie ich es gern abgekürzt nenne – verlief nicht reibunglos. Mein Flug über Frankfurt wurde nämlich 20 min vor Abflug gestrichen. Die Maschine war wegen Enteisungsproblemen gar nicht erst in Frankfurt gestartet. Zum Glück verlief die Umbuchung ohne Probleme, sodass ich dann einen anderen Flug 2h später über München nach London nehmen konnte. Der Rest lief dann wie gewünscht. Meine Gastmutter Celine holte mich schließlich mit ihrem jüngsten Kind Henry gegen 17:45 Uhr von der U-Bahn-Station Hammersmith ab. Ich war ziemlich froh, endlich da zu sein. Ich hatte schon Muskelkater vom Koffertragen. Ich habe in all dem Stress den Lift in der U-Bahn-Station Hammersmith total übersehen.

Zu Hause warteten dann Celines Kinder und ihr Ehemann Silvio, die mich alle neugierig begrüßten. Ich war sehr erstaunt, wie groß das Haus ist und wie viele Etagen es gibt. Von außen sieht es aus als hätte es nur drei, aber die Zimmer, die nach hinten zeigen, sind alle auf einer Zwischenebene gebaut worden, sodass man insgesamt auf etwa 6 Etagen kommt, was viel Platz für die fünfköpfige Familie bedeutet. Das Ganze ist natürlich über viele Treppen verbunden. Es ist ein wenig ermüdend, all die Treppen zu steigen, aber ich denke, dass ich mich dran gewöhnen werde. Ich habe mein 8m² Zimmer direkt unter dem Dach und blicke durch ein großes Fenster in den Garten. Somit ist es ruhig. Ich habe die ersten zwei Nächte gut geschlafen.

Am ersten Tag haben wir uns alle erstmal beschnuppert, meine Gasteltern haben sich lange mit mir angeregt unterhalten und sie sind sehr nett und kommunikativ. Mit der Tochter Josefine habe ich gleich angebandelt (wissend, dass sie mit der noch hier wohnenden Nanny keinen guten Kontakt hat) und war erstaunt, dass sie so zugänglich zu mir war. Bin echt froh darüber. Der Sohn Casey, der an dem Tag seinen 2. Geburtstag hatte, ist ein kleines Energiebündel und ist so groß wie ein Dreijähriger, was vielleicht an seinen großen Eltern liegt. Er hat einen sehr guten und engen Kontakt zur jetzigen Nanny – ich nenne sie mal Susanne – und ich hoffe, dass er mit der Zeit auch mit mir anbandelt. Er spricht schon sehr gut für sein Alter, versteht hauptsächlich Englisch, danach kommt Französisch und dann Deutsch. Es gibt noch eine polnische Haushälterin, die schon einige Jahre für die Familie zuständig ist und dazugehört, und von der er Polnisch mit aufschnappt. Auch sie hat einen sehr engen Kontakt zu Casey.

Wir haben dann leckeres Risotto zum Abendessen gegessen und noch eine Weile zusammengesessen, bis ich hochgegangen bin, um meine Tasche auszupacken. Susanne kam erst viel später, weil es ja Samstag und ihr freier Tag war, und sie war mir auf den ersten Blick nicht sympathisch. Das liegt nicht daran, dass sie wie ein Hippie aussieht, sondern eher, dass die Chemie nicht stimmt. Sie weiß aber nicht, dass ich so über sie denke, denn ich lasse es sie nicht spüren. Schließlich muss ich die nächsten zwei Wochen mit ihr auskommen, bis sie auszieht, und sie mir bis dahin alles zeigt, was ich können und tun muss.

Gestern war dann Caseys große Geburtstagsfeier, wo viele Eltern mit ihren Kindern eingeladen waren, die ich alle kennenlernen sollte. Es war sehr lustig und unterhaltsam für die Kinder, da eine Animateurin engagiert worden war, die alle unterhalten hat. Ich habe mich gut mit Celines Vater verstanden, der mich glatt dazu eingeladen hat, doch auch mitzukommen, wenn mal die Großeltern zu sich einluden. Die Frage ist nur, ob die Familie das auch möchte, dass ich mitkomme, wenn es eigentlich um Familienzeit geht. Habe nämlich gelernt, dass der Unterschied der Nanny auch darin liegen kann, dass der Familienbezug nicht so stark ist, dass also Ausflüge nur innerhalb der Familie stattfinden und die Nanny nicht einbezogen wird.
Die Feier war sehr schön, ging nur 2 1/2h, weil ja die Kinder alle noch sehr klein waren und früher ins Bett müssen, und ich zog mich dann zum Abend in mein Zimmer zurück. Susanne war die ganze Zeit nicht dabei, weil sie auf Zimmersuche gewesen war.

Heute dann begann mein erster Arbeitstag, den ich doch recht gut gemeistert habe. Ich bin mit Susanne zum Babyschwimmen gegangen, wohin Casey immer geht, und dabei habe ich eine andere Nanny aus Australien kennengelernt, deren Schützling ich von der Feier her schon kannte. Zum Mittag waren wir wieder zurück und haben was zum Essen gekocht – etwas was ich noch gut lernen muss, da ich die Familie zum Mittag und Abend bekochen muss. Dann habe ich Celine, die mir ihren jüngsten Sohn Henry im Tragegurt an die Brust schnallte, zur Krippe begleitet, in die Casey täglich für vier Stunden geht, nur um später zu erfahren, dass der Kleine wieder abgeholt werden muss, weil er eine Bindehautentzündung hat. Susanne ging mit ihm zum Arzt und ich passte auf Henry auf. So schwierig erschien mir der Tag nicht, nur dass man eben nie genau planen kann, nur grob. Es gibt bei drei Kindern immer Überraschungen, egal welcher Natur.

Tja, und so ging mein Tag damit zu Ende, dass Celine und Silvio Susanne Babysitten am Abend aufgaben und ich dafür ein wenig durch das nächtliche Brook Green spazierte. Im Groben und Ganzen gibt es noch einige Dinge, die ich mit mir selbst ausmachen muss, wobei es mir doch sehr entgegenkommt, dass Celine so sanftmütig und gelassen ist, was wiederum den leidenschaftlichen und sehr direkten Silvio ausgleicht. Allerdings fühle ich mich immer noch wohl hier.

Demnächst, wenn die Infos dazu klarer sind, werde ich eine Seite zu meiner Gastfamilie veröffentlichen.

Ticket in Händen

Bought the ticket

Ich habe mir heute das Hin- und Rückflugticket für London gekauft, nachdem ich den unterschriebenen Arbeitsvertrag zugesandt bekommen habe. Ich hatte schon vor ein paar Tagen verschiedene Verbindungen gesucht, die sich alle stark in den Preisen unterschieden. Große Flughäfen verlangen natürlich höhere Standgebühren, darum schlägt sich das Anfliegen von London Heathrow im Kaufpreis nieder. Das muss man erstmal wissen. Ich kenne bis jetzt Heathrow und Stansted sehr gut, wollte daher Luton und Gatwick nicht ausprobieren, weil ich nicht genau weiß, wie gut die Zugverbindungen in die Stadt sind. Die Anbindung an die Stadt mit der U-Bahn – die weltbekannte Tube – ist auch viel praktischer und total einfach zu nutzen, da ich die Oyster Card habe, die man einfach nur mit Geld am Ticketautomaten auflädt. Man fährt etwa 50 min bis nach London rein, damit meine ich beispielsweise Piccadilly Circus.

Leider bekommt man London City Airport sehr schwer, weil der aufgrund der nur 1,5 km langen Landebahn nur von bestimmten Flugzeugentypen angeflogen werden kann und hauptsächlich von Businessleuten genutzt wird. Am Ende wurde es schließlich Heathrow und der Kaufpreis landete im dreistelligen Bereich, gerade weil auch mein Abreisetag genau vor Weihnachten ist. Da reisen dann wahrscheinlich noch all jene aus der Stadt, bevor nichts mehr geht. Am 25.12. werden nämlich in London die Bordsteine hochgeklappt und dann fährt weder Bus, Bahn noch Taxi.

Meine Gastfamilie weiß schon Bescheid, dass ich das Ticket habe und sie freut sich sehr auf mich. 🙂 Vielleicht entscheiden sie sich ja mich abzuholen. Das wäre echt nett, denn auch wenn ich genau weiß, wie ich mit der U-Bahn zurechtkomme und wie ich zu ihrem Haus finde, so wird mein Koffer schwer sein.

Endlich ein Job!

I got a job!

Es hat doch tatsächlich endlich geklappt. Nach 10 Monaten der Suche habe ich einen Job in London als Nanny erhalten. Nach der Absage habe ich gar nicht so schnell damit gerechnet. Noch am gleichen Tag, als ich die Absage erhielt, bewarb ich mich bei zwei weiteren Jobs und hatte zwei Tage später ein Bewerbungsgespräch via Skype und eins übers Telefon. Familie H. (3 Kinder) wohnte in Westlondon und brauchte jemanden ab Dezember, und Familie L. (2 Kinder) wohnte auch in Westlondon und brauchte jemanden ab November. Beide Gespräche verliefen sehr gut, wobei ich sagen muss, dass mir das über Skype noch lieber war, weil man dort gleich den Ansprechpartner sah. Letztendlich musste ich mich entscheiden, da beide Familien positiv mir gegenüber waren und nachdem ich mich noch mal beraten habe, entschied ich mich für Familie H. Allein auch deswegen, weil ich da nicht so eilen muss, nach London zu kommen. Ich kann noch Freunde verabschieden und in Ruhe einen günstigen Flug buchen. Außerdem schien mir die Chemie sehr gut zu stimmen.

Man erwartet mich am ersten Dezemberwochenende und dann habe ich drei Wochen Probezeit, wo mich die bereits dort wohnende Nanny in die Aufgaben einführen wird. Man hat mir einen Vertrag ausgestellt, die Aufgaben besprochen und alles weitere erklärt, sodass ich mit gutem Gefühl dort hinfahren werde. In der Probezeit werde ich dann sehen, ob ich den Aufgaben gewachsen bin, da ich noch nie in einer Familie mit drei Kindern war. Die Mutter ist noch im Schwangerschaftsurlaub, weil sie Anfang September ihr drittes Kind bekommen hat. Vielleicht bleibt sie noch eine Weile danach zu Hause, wer weiß. Der Kontakt ist jedenfalls sehr nett. Die Mutter ist Engländerin und der Vater Schweizer. Deutsch, Englisch und Französisch werden zu Hause gesprochen, hauptsächlich aber Englisch.

Über Weihnachten werde ich dann wieder zurückkommen und bis dahin hoffentlich genau wissen, ob ich wieder zurückfliegen will. Ich kann nur hoffen, dass ich den Aufgaben gewachsen sein werde und es dort genauso ist wie man mir via Skype erzählt hat.

Sorgen einer Nanny

Worries of a nanny

Gestern kam die Absage in einer sehr freundlichen E-Mail. Meine Enttäuschung ist groß, aber mein Enthusiasmus und meine Entschlossenheit nicht deswegen gebrochen. Traurig bin ich aber schon. Es hatte alles so vielversprechend ausgesehen. Ich kann den Grund der Absage verstehen, gerade auch weil da noch mehr in der E-Mail stand, was mir sagte, dass es nicht wirklich an mir lag, nur an meinen mangelnden Erfahrungen.

Aber jeder fängt mal bei Null an und auch wenn der Weg steinig ist, werde ich nicht aufgeben. Ich hoffe nur, dass sich sehr bald jemand findet, der vielleicht ein nicht so hohes Arbeitspensum hat und sich keine Sorgen macht, ob ich auch über Nacht und mehrere Tage allein sein Kind betreuen könnte. Natürlich brauchen Babys eine gute Obhut, aber wenn ich mal so bedenke, dass nicht jede Mutter, die ein Neugeborenes bekommt, eine Ahnung hat, wie sie es zu betreuen hat und dass sie auch erst mit ihren Aufgaben wächst, bin ich nicht ganz so allein mit meinen wenigen Erfahrungen. Diese und auch Qualifikationen können schließlich immer noch erlangt werden und lernbereit bin ich ja.

Es hätte nur auch so gut menschlich mit diesem Job gepasst. Da war einfach eine gute Chemie.

Aber gut, es wird sich doch gewiss wohl eine Familie in Großbritannien finden, die einer noch nicht so erfahrenen Nanny eine Chance gibt sich zu beweisen, oder? Zu gern würde ich sie kennenlernen und mich vorstellen wollen. An Bewerbungen schreiben, mangelt es ja nicht. Nur die Antworten lassen auf sich warten.

Das bange Warten

Uneasy waiting

Seit gestern bin ich wieder aus London zurück und das mit keiner konkreten Antwort, ob ich den Job jetzt bekomme oder nicht. Mir wurde gesagt, dass es noch andere Kandidaten mit mehr Erfahrung gibt und dass es sich in den nächsten Tagen entscheidet, ob ich oder jemand anders den Job erhält. Ich bin dennoch optimistisch, denn ich habe mein Bestes gegeben, was mir auch bestätigt wurde. Nebenbei habe ich mir London angesehen und viele schöne Museen und Sehenswürdigkeiten besucht.

Ich hoffe sehr, dass ich den Job erhalte, denn die Familie ist sehr nett und ich fühlte mich gleich von Anfang an ziemlich wohl.

London, ich komme!

London, here I come!

Aus diesem netten Kontakt mit einer Interessentin ist tatsächlich in der Hinsicht was geworden, dass sie mich zu sich nach Hause einlädt, um ihre Tochter kennenzulernen. Dazu muss ich sagen, dass sie Deutsche ist, aber seit mehreren Jahren in London lebt, einen sehr wichtigen und einnehmenden Job hat, und ihre kleine Tochter die ersten Lebensmonate in Deutschland bei ihren Eltern gewohnt hat, weil sie in eine andere Wohnung gezogen ist und sozusagen, das Nest vorbereitet hat.

Am Samstag hatte ich mein Vorstellungsgespräch mit ihr und wir konnten uns besser kennenlernen. Nun freue ich mich sehr auf London, wohin ich für vier Tage fliege. Ich hoffe, dass sie sich am Ende für mich entscheidet, aber ich denke, das tut jeder, der einen Job haben möchte. Ich werde 200 % geben, damit aus der Sache was wird.

Diesen Freitag geht’s frühmorgens los und ich bin schon sehr gespannt, wie die Tage in London werden. Besonders freue ich mich auf die kleine Tochter. Mal sehen, welchen Charakter sie so hat. Vielleicht ergibt sich für mich auch die Möglichkeit ein paar Sehenswürdigkeiten zu sehen.

So, ich werde dann mal Koffer packen.
Ich danke allen, die mir die ganze Zeit beigestanden und die Daumen gedrückt haben. Bitte drückt weiter.