Kamakura

鎌倉

Am Sonntag bin ich mit meiner Bekannten in Kamakura gewesen. Das Wetter war wunderbar bei 16°C und viel Sonnenschein. Kamakura liegt südlich von Tokyo und ist in etwa einer anderthalb Stunde mit dem Zug von Yokohama zu erreichen. Die Stadt ist von Bergen umgeben, und bei gutem Wetter kann man sogar den Fujisan von hoch gelegenen Standorten sehen. Da Kamakura auch am Meer liegt, kommen viele Touristen hierher.
Geschichtlich gesehen, war die Stadt im 12. Jahrhundert einst politischer und kultureller Mittelpunkt Japans, da der sogenannte Minamoto-Klan von hier über das ganze Land herrschte.
Kamakura ist ein sehenswerter Ort, weil es hier 19 Shintô-Schreine und 65 buddhistische Tempel gibt. Fünf der Tempel zählen zu den hochrangigsten des Zen-Buddhismus, darunter der Engaku-ji und der Jôchi-ji. Für alle Tempel musste man einen Eintrittspreis zwischen 200-300 Yen bezahlen – laut heutigem Wechselkurs etwa 1,50-2,20 Euro – was nun wirklich nicht teuer ist, weil der Anblick der Tempel den Preis wert war.Engaku-ji

Der Engaku-ji befindet sich gleich am Bahnhof Kita-Kamakura und wurde im Jahre 1282 fertiggestellt. Er ist ein bedeutendes Zentrum sino-japanischer Kultur. Im Laufe der Jahrhunderte war auch er Feuer und Erdbeben ausgesetzt und viele seiner Gebäude wurden wiederaufgebaut. Viele bedeutende Mönche lebten hier im Tempel und sorgten dafür, dass der Engaku-ji zu einem der einflussreichsten Zen-Tempel Japans wurde. Von seinem höchsten Punkt kann man den Fujisan sehen.
Verlässt man den Engaku-ji und überquert die Bahnschienen erreicht man weitere Tempel. Man kann sich auf seinem Weg dann überlegen, ob man in jeden hinein möchte, um überall Geld zu bezahlen. Nicht alle Tempel sind so groß und prächtig wie der Engaku-ji.
Links des Jôchi-ji, der im 13. Jahrhundert gebaut wurde, befindet sich einer der Wanderpfade Kamakuras, von dem man zum Großen Buddha wandern kann. Natürlich habe ich mir den angetan. Das Wetter war schließlich gut und der Boden fest. Das war auch gut so, denn es ging die ganze Zeit über riesige Wurzeln bergauf, bergab. Unterwegs gab es kleine Aussichtspunkte, zwei Schreine und viele im Herbstrot stehende Japanische Ahorne zu sehen.
Nach 1½ h schweißtreibender Wanderung erreichten wir das Ende des Pfades und kamen nach wenigen Metern zum Großen Buddha, dem Daibutsu. Diese 13m hohe und 121t schwere Bronzeskulptur sitzt im Kôtoku-in, einem weiteren Tempel, und ist Touristenmagnet für alle, die ein Foto davor machen und in die Statue hineingehen wollen. Seit etwa 1252 sitzt sie nun schon hier und zeigt den Buddha Amithaba. Daibutsu

Nach dem Kôtoku-in folgt eine der großen Einkaufsstraßen, in der man sich Eis und Souvenirs aller Art kaufen kann. Unweit davon liegt auch der Hase-dera – noch ein kostenpflichtiger Tempel – in dem es die älteste Glocke der Stadt, eine Höhle mit Statuen, zwei Häuser, in denen man Kalligraphie lernen kann, und ein Schatzhaus zu sehen gibt. Vom Tempel ist es dann auch nicht mehr weit zum Strand, zu dem wir gingen und uns die Surfer ansahen. Wir blieben bis zum Sonnenuntergang, kehrten in ein sehr kleines Restaurant ein, um gut zu essen, und sind dann spät wieder nach Hause gefahren.
Von dem ganzen Ort habe ich an diesem Tag nur einen Bruchteil gesehen, was schade war, da ich nicht weiß, ob ich nochmal hinfahre.

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Kodomo no kuni und Narita

こどもの国と成田

Wie immer habe ich das Wochenende frei gehabt, aber diesmal war kein sonniges Wetter und ich konnte mich auch nicht mit meiner Bekannten treffen, weil sie arbeiten musste. So habe ich meine Gastfamilie am Freitag gefragt, ob sie am Samstag was vorhaben und sie haben mir gesagt, sie fahren ins Kodomo no kuni, ins sogenannte „Kinderland“, das nur 15 min mit dem Auto entfernt ist.
Das Wetter hielt sich an diesem Tag sehr gut, es war nur bewölkt bei 22°C. Die Tage zuvor hatte es durchweg geregnet und darum war der Park auch nicht so voll. Das Kinderland richtet sich an Kinder zwischen 2-12 Jahre. Der Park erstreckt sich über ein altes Bunkergelände aus Kriegszeiten und bietet viel Natur, Streichelgehege, Ställe, Freizeitattraktionen und Wasserspiele. Ich habe mich an diesem Tag mit Rudern versucht. Mit Amelie und Azusa saß ich in einem Ruderboot und habe sie über den kleinen See gefahren, den es dort gibt. Ich muss zugeben, ich habe bis zu diesem Tag noch nie ein Boot gerudert. Azusa war trotzdem begeistert von meinen ersten Steuerschwierigkeiten, aber hey, ich hab’s gemeistert! Am nächsten Tag hatte ich zwar Muskelkater, aber Spaß hat es dennoch gemacht. Am Ende hatte ich nämlich den Dreh raus, wie man steuert.
Alles in allem war der Tag sehr schön und am Abend war ich ziemlich fertig. Aber wenigstens bin ich rausgekommen und wurde wunderbarerweise von meiner Gastfamilie überallhin im Park eingeladen, da man einmal Eintritt für den Park zahlen und dann weiterhin für die Fahrgeschäfte Geld hinlegen muss.
Noch etwas Geschichtliches: Kodomo no kuni wurde zur Erinnerung an die Königliche Hochzeit von Kaiser Akihito und seiner Frau Michiko 1959 gegründet. Es wurde am 5. Mai 1965 – dem Kindertag – eröffnet. Kodomo no kuni ist eine Art Naturpark, dessen Absicht darin besteht, „einen Beitrag zu den geistigen Kräften und dem Körper der Kinder zu leisten“. Die Landfläche erstreckt sich auf 976.000 m².

Am Sonntag war das Wetter nicht viel besser, und am Abend zuvor hatte ich überlegt, wohin ich denn fahren könnte, was nicht zu weit weg aber schön ist. Ich habe mich dann für Narita entschieden und die 2½h Zugfahrt dorthin in Kauf genommen.
Narita befindet sich östlich von Tokyo und in unmittelbarer Nähe zum Internationalen Flughafen Tokyo-Narita. Sehenswert hier ist der 17 Hektar große Naritasan-Park, der den Naritasan Shinshō-ji (erbaut 940 n.Chr.), den Imba-See, den Makata-jinja und das Museum für Kalligraphie beherbergt. Bevor man zum Tempel gelangt, kann man schön durch die Omotesandō – eine Einkaufsstraße – laufen, und sich die Köstlichkeiten und Kaufhäuser der Stadt ansehen. Bevor man dann zum Tempel hinaufsteigt, durchgeht man zwei große Tore, und überquert eine Brücke über einen Teich, in dem Schildkröten und Kois schwimmen. Als ich die Treppen zum Tempel überwunden hatte und auf den großen Vorplatz kam, wurde ich gleich Zeuge einer buddhistischen Zeremonie, denn mehrere Männer liefen in traditioneller Kleidung begleitet von Glockenschlägen zum Tempel hinauf. So was muss man mal gesehen haben. Außerdem waren viele Kinder in Kimono und Hakama gekleidet, weil jetzt die Zeit des Shichi-Go-San kommt – das 7-5-3-Fest – wo die 5-jährigen Jungen und 3- und 7-jährigen Mädchen im Schrein für Glück und Gesundheit danken. Der Naritasan-Park ist ein fast verwunschener Ort. Viele kleine Wege führen auf und ab, an Pavillons und Teichen, und uralten Bäumen und Grabmalen vorbei. Hier bin ich wohl fast zwei Stunden gewesen und habe viele Fotos gemacht.
Auch an diesem Abend war ich vom vielen Laufen ganz schön erschöpft, aber ich kann Narita nur empfehlen, wenn man viel unberührte Natur und Tempel sehen oder allein sein möchte. Auf der Zugstrecke nach Narita kommt man nämlich endlich mal aus dem Großstadtdschungel heraus und sieht Felder und Wälder.

Enoshima

江ノ島

Das Wetter in der Region Tokyo-Yokohama ist immer noch sehr angenehm warm. Tagsüber liegen die Temperaturen zwischen 20-25°C und nachts 14-18°C. Auch heute schien wieder die Sonne und ich beschloss an meinem freien Tag nach Enoshima zu fahren. Enoshima ist eine Insel an der Mündung des Flusses Katase in der Sagami-Bucht und auch ein Stadtteil der im Süden gelegenen Stadt Fujisawa. Die Insel erreicht man von „meinem“ Bahnhof Aobadai innerhalb von einer Stunde mit dem Zug, wenn man am Bahnhof Katase-Enoshima aussteigt. Ich war sehr erstaunt, dass ich nur einmal umsteigen musste. Die Region, in der die Insel liegt, ist ein Feriengebiet und wird aufgrund ihrer malerischen Landschaft sehr gern besucht.

Als ich am Bahhof ausstieg, hörte ich schon das Schreien der Möwen, aber auch das Kreischen der Raben und Adler. Es gibt erstaunlich viele Adler und Raben auf dieser Insel. Sie kommen auch so nah heran, dass man aufpassen muss, dass sie einem nicht das Brötchen aus der Hand stehlen. Die Insel Enoshima erreicht man über eine 600m lange Brücke und an ihrem Ende führt der Weg den Berg hinauf, vorbei an Souvenirlädchen und Restaurants zu den Schreinen, die sich verteilt auf der Insel befinden. Es gibt mindestens drei Schreine und zwei Tempel, wobei der Enoshima-Schrein der bekannteste ist. Das Foto zeigt das Torii (Holztor) des Schreines. Man begegnet ihm zuerst – wer nicht Treppen steigen will, kann für 100 Yen (= 0,76 €, Stand: 03/15) auch die Rolltreppen benutzen – und dahinter folgen mehrere kleine Heiligtümer, Wohnhäuser, Restaurants und wieder Souvenirgeschäfte. Unterwegs sah ich sehr viele jorō-gumo (ジョログモ, wörtlich: Prostituiertenspinne), die hübsch gefärbt sind, aber auf Arachnophobiker furchteinflößend wirken. Im Süden der Insel folgt dann ein steiler Abstieg zu den Klippen und Felsen, wo viele Angler ihr Glück versuchen und man mit dem Boot bis zur Brücke, über die man gekommen ist, zurückfahren kann. Ich habe allerdings wieder die Treppe zurück genommen. Das war bei der Hitze zwar sehr anstrengend, aber ich hatte ja einen Sonnenschirm dabei (wie so viele andere auch). Nach zwei Stunden Inselwanderung bin ich zurück über die Brücke und habe mir dort am Strand die Surfer angesehen. Es war durch den Wind ziemlich guter Wellengang und ich habe es mir nicht nehmen lassen, barfuß durchs Wasser zu laufen und Muscheln zu sammeln. Ein kleiner, alter Japaner hat mich dabei angesprochen und mir einige seiner Muscheln geschenkt, weil ich gerade eine gefunden hatte. Das fand ich total nett, auch wenn ich nur die Hälfte verstanden habe, was er genuschelt hat. Davon mal abgesehen, fand ich es prima nun auch einen Haufen toller Muscheln zu haben. Am späten Nachmittag zum Sonnenuntergang bin ich dann wieder nach Hause zurückgefahren.

Asakusa und Akihabara

浅草と秋葉原

Ich bin gut im Hostel eingezogen, wo ich ein Zimmer mit meiner Bekannten bewohne. Mit Ohrstöpseln – weil die Wände so dünn sind – schläft es sich auch sehr gut in den Betten. Bis zum Hibarigaoka-Bahnhof läuft man etwa 15min und wenn man dann dort die richtige Fahrkarte gekauft hat oder eine aufladbare Geldkarte zum Zugfahren besitzt, macht es Spaß quer durch Tokyo zu fahren. Menschenkino ist doch was Feines. Dann gibt es auch überall die Beschallung durch Lautsprecher. Immer wieder wird irgendwas angekündigt, dass die Türen schließen oder öffnen, wie die nächste Haltestelle heißt und wie lange die Zugtüren noch offen stehen. Nach einer Weile kann es nerven. Aber vielleicht ist das ja wichtig für Blinde?
Gestern war ich jedenfalls in dem Viertel Asakusa. Wir sind nur 10min vom Sensō-ji entfernt, dem ältesten buddhistischen Tempel Tokyos, aus der U-Bahn herausgekommen. Natürlich musste ich mir den ansehen. Ich finde solche Tempel sehr faszinierend. Es waren auch viele andere Besucher da. Was anderes ist auch gar nicht zu erwarten. Meine Kamera habe ich auch gleich ausgetestet und sie hat wirklich super Bilder gemacht.
Wir sind durch die Gegend spaziert, in unzählige Läden reingegangen, haben Gassen erkundet, wo man sehr kleine und kuriose Geschäfte findet, waren etwas essen, und sind dann zum Abendessen wieder im Gasthaus gewesen. Später haben wir dann noch unser Wohnviertel erkundet, weil auch meine Bekannte erst seit wenigen Tagen hier wohnt, und wir haben einen tollen Supermarkt gefunden, wo man auch Bentō kaufen kann. Große Bentō (Essen zum Mitnehmen). So sieht ein Bentō aus. Die kleinen Läden hatten immer nur kleine Schachteln und davon werde ich doch nicht satt. Die, die mich kennen, wissen, dass mein Magen ein schwarzes Loch ist. ^^
Mit den netten Zirpen von nebenan sind wir dann abends eingeschlafen.

Am Samstag sind wir etwas später aufgestanden. Ich muss sagen, ich habe überhaupt kein Jetlag. Den bis jetzt zu Deutschland bestehenden 7-stündigen Zeitunterschied vertrage ich sehr gut. Wenn ihr dann alle die Uhr Ende Oktober zurückstellen müsst, sind es 8 Stunden Unterschied. Ziemlich viel. In Japan gibt es nur Winterzeit. Ich schick aber jedenfalls immer meine Sonne zu euch rüber. ^^

Wir sind nach dem Frühstück nach Akihabara gefahren. Das ist das Elektronikviertel in Tokyo. Ich kann nur sagen, das war die absolut genialste Reizüberflutung, die ich je hatte. Hier laufen Mädchen in schwarzweißen Uniformen herum – kurzer Rock/Kleid, Overknees (Überkniestrümpfe) mit Rüschen, Lackschuhen, Schleifchen im Haar – und verschenken Zettel mit Einladungen für ihre Cafés, in denen sie die Leute bedienen. Für jene, die das nicht kennen, man nennt sowas „Maidcafé“ und selbst ich fand die Mädels süß. Dann gibt es nicht nur sie sondern auch andere, die ständig Werbezettel verschenken, und Leute, die in Megaphons ihre Werbeslogans und Verkaufsangebote für Elektronikware etc. rufen. Überall laufen also ziemlich kunterbunte und schrille Leute herum. Ich habe mich richtig wohl gefühlt. Sowas kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen und dennoch fände ich es cool, wenn die Leute ungezwungener wären und einen Kompromiss allgemein mit Kleidung eingehen würden. Hier schert sich keiner darum, wenn einer mit grünen Haaren, in einem Kostüm oder anderer schriller Kleidung herumläuft. Es ist einfach normal.
Mittendrin im Gewühl fanden wir einen Tempel, der eine kleine grüne Oase in dem Trubel bot. Er war weitere Fotos wert. Wir fanden auch einen Laden, der europäische Artikel wie Milka Schokolade, Bockwürste und Hagebuttentee verkauft.
Am Abend war ich echt kaputt und habe nur noch hier reingeschrieben, um danach ins Bett zu fallen.