Gasthaus

客舎

Jetzt bin ich seit einer Woche zurück in Japan und wohne in einem Gasthaus, eigentlicht ist es ein Hostel, im Westen Tokyos. ZimmerBis zum Stadtzentrum ist es etwa eine halbe Stunde mit dem Zug. Ich wohne in einem kleinen Zimmer, das mir ein Bett, einen Tisch mit Stuhl und einen Schrank bietet. Es reicht aus. Platz ist aber nur spärlich da. Ich bin ja nur noch bis Samstag hier und dann ruft die Heimat.

Leider.

Ich versuche jetzt noch viele Freunde zu treffen und mir das anzusehen, was ich noch nicht sehen konnte. Zum Beispiel war ich im Tokyoter Stadtteil Shinjuku in dem Park Shinjukugyoen, in dem jetzt schon die Pflaumen- und Kirschbäume blühen. Eine wahre Pracht ist das, und die Japaner strömen in Scharen in die Parks, um zu picknicken.

Dann habe ich mir auch noch den Ostgarten des Kaiserpalastes angesehen, in den man kostenlos hineinkommt, und wo auch schon die Bäume blühen. Angeblich soll aber erst in zwei Wochen der ganze rosafarbene Spaß losgehen. LeidKirschblütener bin ich dann schon weg. Da es aber schon bis zu 22°C warm war, habe ich Glück, dass einige Bäume schon eher blühen.

Ich denke, dass ich ganz bestimmt, wenn das Geld stimmt, noch einmal nach Japan zurückkomme und ich mir dann eine Rundreise gönnen werde. Ich wollte ja zu gern noch Kyoto, Nara und Osaka sehen.

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Rückflug

復航

Meine Zeit in Singapur neigt sich dem Ende entgegen. 24 Wochen habe ich bei meiner Gastfamilie gewohnt. 24 wundervolle Wochen mit vielen Erlebnissen, und ich werde es nie vergessen, dass sie es mir ermöglicht hat Japan und Singapur kennenzulernen. Meine Arbeit bei ihnen und auch das Familienleben waren immer sehr gut, im Durchschnitt habe ich 34 Stunden die Woche gearbeitet, was durchaus okay ist.

Am Montagabend, den 16.3., geht mein Flieger nach Japan, wo ich noch ein paar Wochen bleiben werde, bevor ich mit dem Heimflieger nach Deutschland zurückkomme. Die Zeit ist viel zu schnell vergangen, finde ich. Irgendwie geHübscher Vogel im Jurong Parkht immer alles, was schön ist, zu schnell zu Ende.

Über das Wochenende versuche ich noch ein paar Sehenswürdigkeiten wie den Singapurer Zoo mitzunehmen. Heute war ich im Japanischen und Chinesischen Garten, und letzten Sonntag im Jurong Vogelpark, der wirklich sehr schön ist.

Nach sechs Wochen habe ich mich auch wirklich an die Hitze gewöhnt. Man merkt dann schnell, wenn es kalt wird, und unter kalt versteht man hier 23°C. Tagsüber sind es ja im Durchschnitt 30°C, wenn es mal nicht regnet. Die Monsunzeit geht jetzt zu Ende und ich habe gehört, danach wird es noch heißer. Da ist es doch gut, dass ich zurück in die kühleren Länder reise. Solche Hitze mit 34°C ist für mich auf Dauer zu viel. Ständiges Schwitzen geht mir irgendwann auf die Nerven. Mal sehen, wie kalt es in Japan ist. Auf jeden Fall steht Kofferpacken demnächst wieder an.

Ueno-Zoo

恩賜上野動物園

Am Wochenende war ich im Ueno-Zoo, der sich im Ueno-Park in Tokyo befindet. Das Wetter war zwar gar nicht schön, aber es war mir egal und ich wollte zu gerne sehen, welche Tiere die Japaner so haben. Ich brauchte eine Stunde um den Zoo zu erreichen, und mit einer Ermäßigungskarte habe ich statt 600 Yen nur 480 Yen bezahlt, was etwa 3,55 € sind und man nicht einmal in Deutschland für einen so großen Zoo bezahlt. Ich stelle immer wieder fest, dass sehr viele Dinge hier weniger als in Deutschland kosten.

Der Ueno-Zoo befindet sich im Nordosten Tokyos und ist der älteste Zoo Japans. Er wurde 1882 eröffnet, beherbergt 2600 Tiere, 464 Arten und ist 14,3 Hektar groß. Der Park, in dem sich der Zoo befindet, beherbergt drei Museen: das Nationale Museum, das Museum der Wissenschaften und das Nationale Museum Westlicher Kunst. Außerdem gibt es hier eine Konzerthalle, den einst zerstörten Kan’ei-ji, der von den Tokugawa Shogunen erbaut worden war, und den Shinobazu See mit seinen Schreinen. Schattenseite des Parks ist, dass hier viele Obdachlose wohnen. Davon abgesehen kann man hier im Frühjahr viele Kirschbäume in voller Blüte bewundern.

Im Zoo selbst finden sich viele Tiere, die wir auch in unseren Zoos haben, z.B. Pinguine, Raubvögel, Bären und Elefanten, allerdings gibt es hier auch Tiere, die es nur in Japan gibt. Wie der Braunbär von der Nordinsel Hokkaidô oder die Japanmakaken, die bis zur nördlichsten Insel von Honshû verbreitet sind und dort gern in den heißen Quellen baden. JapanmakakenIn ihrem Gehege gab es auch ein kleines Onsen und es war lustig mitanzusehen, wie die kleinen Affen immer hineinsprangen, als wäre es ein Schwimmbecken. Sehr interessant fand ich die Nachthäuser, in denen man durch abgedunkelte Räume gehen und Tiere beobachten kann, die nachtaktiv sind. Außerdem gab es auch einen Streichelzoo, der leider aufgrund des schlechten Wetters geschlossen war. Ansonsten hätte man Hasen, Meerschweinchen, Ziegen und Schafe streicheln können. Das sogenannte Vivarium beherbergt Tiere aus den Tropen, wie Krokodile, Fische, Schlangen und Schildkröten.
Der Zoo hat mir wirklich gefallen, nur das Wetter hätte besser sein können.

Erdbeben

地震

Mein erstes Erdbeben habe ich am 8. Oktober erlebt, aber weil es so ungefährlich war, habe ich diese Information nicht in den Artikel vom „Baden zu Hause“ getan.

Es war genau 15.10 Uhr japanischer Zeit, als ich gerade ein wenig Freizeit hatte und am Schreibtisch saß und ich meine Schranktüren klappern hörte. Ich dachte erst, das sei der Bagger, der hier in der Nähe für ein Haus ein Loch ausgräbt, aber dann vibrierten die Fensterscheiben und meine Gastmutter rief laut „jishin“, sodass ich nur noch entgeistert das Vibrieren des Wassers in meinem Glas auf dem Tisch verfolgt habe. Eigentlich hätte ich aufspringen und mich in den Türrahmen stellen oder unter den Schreibtisch hocken sollen.

Für jene, die nie ein Erdbeben erlebt haben, ist es schwierig zu erklären, wie sich das anfühlt. Es ist so, als würde jemand eine große Gitarrenseite unter dem Fußboden anzupfen, die dann lange nachvibriert.

Laut der Japan Meteorological Agency war es in den meisten Fällen Stärke 2 und darum auch ungefährlich und kaum spürbar. Yokohama liegt auf der Karte westlich der Bucht von Tokyo. Das rote Kreuz ist wohl das Epizentrum. Meine Gastmutter hat sich nach dem etwa 10 Sekunden andauernden Beben erstmal erkundigt, ob ich in Ordnung sei. Klar, ich war ziemlich nervös, aber Angst hatte ich nicht. Sie hat mir dann geraten, bei einem starken Beben Schutz in der Toilette zu suchen, weil das der kleinste Raum ist, wo einem nichts auf den Kopf fallen kann und weil sie sich im Innern des Hauses befindet.

Auffälligkeiten

特出

Was mir bis jetzt in Japan auffiel:

positiv:

1. Freundlichkeit – von allen, auch wenn es hin und wieder zum Beruf gehört. So was fehlt mir in Deutschland.

2. Pünktlichkeit der Züge – selbst, wenn der Zug so voll ist, dass man sich wie in einer Sardinenbüchse fühlt und man hat vielleicht einen Sitzplatz gefunden, sieht aber vor lauter Menschen nicht mehr die Schilder auf den Bahnhöfen, um zu wissen, wo man raus muss (insofern es keine Ansage gibt, wie mir mal passiert ist), dann schaut man einfach auf seine Uhr und steigt zu der Zeit aus, wann der Zug den Zielbahnhof erreichen wird. Man kommt 100%-ig an seinem Bahnhof zu besagter Zeit raus, weil alle Züge superpünktlich sind.

3. Lateinische Schrift – In Tokyo-Yokohama kann man sich also auch zurechtfinden, wenn man keine Kanji lesen kann.

4. Kleine Japanerinnen – Die Durchschnittsgröße liegt bei Frauen bei 1,55m und damit fühle ich mich sehr oft größer, wohingegen ich in Deutschland kaum auf so kleine Frauen treffen.

negativ:

1. Vorurteile gegenüber Weißen – Japaner mögen keine Amerikaner, aber man sieht einem Deutschen nicht an, dass er kein Amerikaner ist. Beide sind ja weiß. Japaner mögen Amerikaner angeblich nicht, weil sie den 2. Weltkrieg gewonnen und Japan besetzt haben und hier immer noch Basen stationiert sind. Man hört außerdem die Überschallflieger der Amerikaner am Himmel. Japaner mögen lieber die Deutschen, weil auch sie den Krieg verloren haben, und weil sie fleißig, pünktlich und ordentlich sind. Zumindest sind das so die Klischees.

2. hoher Stromverbrauch – Japaner kennen vielleicht Bewegungsmelder bauen sie aber kaum ein. Viele Getränkeautomaten stehen herum – auch bei brütender Hitze – und verballern Strom, um Getränke zu kühlen oder heiß zu halten.

3. bissige Moskitos im Sommer – Nach drei Tagen in Japan hatte ich schon 8 Stiche von diesen kleinen zebragestreiften, knapp einen Zentimeter großen Asiatischen Tigermücken. Die sind selbst am Tag aktiv.

4. kaum Mülleimer – auf 1km² kommen vielleicht drei Mülleimer und einen muss man erstmal finden

andersartig:

Die jungen Leute tragen/zeigen ihren eigenwilligen Stil und keinen stört’s. Es gibt keine Kleideretikette auf der Straße. Dazu zählen Männer als Frauen gekleidet/geschminkt, Mädchen in Lolita-Kostümen, Jungs mit grünen oder violetten Haaren oder lackierten Fingernägeln, sowie zerlumpte, schrille, abgehobene oder altmodische Kleidung. Die Japaner sind einfach einen Kompromiss miteinander eingegangen.

Asakusa und Akihabara

浅草と秋葉原

Ich bin gut im Hostel eingezogen, wo ich ein Zimmer mit meiner Bekannten bewohne. Mit Ohrstöpseln – weil die Wände so dünn sind – schläft es sich auch sehr gut in den Betten. Bis zum Hibarigaoka-Bahnhof läuft man etwa 15min und wenn man dann dort die richtige Fahrkarte gekauft hat oder eine aufladbare Geldkarte zum Zugfahren besitzt, macht es Spaß quer durch Tokyo zu fahren. Menschenkino ist doch was Feines. Dann gibt es auch überall die Beschallung durch Lautsprecher. Immer wieder wird irgendwas angekündigt, dass die Türen schließen oder öffnen, wie die nächste Haltestelle heißt und wie lange die Zugtüren noch offen stehen. Nach einer Weile kann es nerven. Aber vielleicht ist das ja wichtig für Blinde?
Gestern war ich jedenfalls in dem Viertel Asakusa. Wir sind nur 10min vom Sensō-ji entfernt, dem ältesten buddhistischen Tempel Tokyos, aus der U-Bahn herausgekommen. Natürlich musste ich mir den ansehen. Ich finde solche Tempel sehr faszinierend. Es waren auch viele andere Besucher da. Was anderes ist auch gar nicht zu erwarten. Meine Kamera habe ich auch gleich ausgetestet und sie hat wirklich super Bilder gemacht.
Wir sind durch die Gegend spaziert, in unzählige Läden reingegangen, haben Gassen erkundet, wo man sehr kleine und kuriose Geschäfte findet, waren etwas essen, und sind dann zum Abendessen wieder im Gasthaus gewesen. Später haben wir dann noch unser Wohnviertel erkundet, weil auch meine Bekannte erst seit wenigen Tagen hier wohnt, und wir haben einen tollen Supermarkt gefunden, wo man auch Bentō kaufen kann. Große Bentō (Essen zum Mitnehmen). So sieht ein Bentō aus. Die kleinen Läden hatten immer nur kleine Schachteln und davon werde ich doch nicht satt. Die, die mich kennen, wissen, dass mein Magen ein schwarzes Loch ist. ^^
Mit den netten Zirpen von nebenan sind wir dann abends eingeschlafen.

Am Samstag sind wir etwas später aufgestanden. Ich muss sagen, ich habe überhaupt kein Jetlag. Den bis jetzt zu Deutschland bestehenden 7-stündigen Zeitunterschied vertrage ich sehr gut. Wenn ihr dann alle die Uhr Ende Oktober zurückstellen müsst, sind es 8 Stunden Unterschied. Ziemlich viel. In Japan gibt es nur Winterzeit. Ich schick aber jedenfalls immer meine Sonne zu euch rüber. ^^

Wir sind nach dem Frühstück nach Akihabara gefahren. Das ist das Elektronikviertel in Tokyo. Ich kann nur sagen, das war die absolut genialste Reizüberflutung, die ich je hatte. Hier laufen Mädchen in schwarzweißen Uniformen herum – kurzer Rock/Kleid, Overknees (Überkniestrümpfe) mit Rüschen, Lackschuhen, Schleifchen im Haar – und verschenken Zettel mit Einladungen für ihre Cafés, in denen sie die Leute bedienen. Für jene, die das nicht kennen, man nennt sowas „Maidcafé“ und selbst ich fand die Mädels süß. Dann gibt es nicht nur sie sondern auch andere, die ständig Werbezettel verschenken, und Leute, die in Megaphons ihre Werbeslogans und Verkaufsangebote für Elektronikware etc. rufen. Überall laufen also ziemlich kunterbunte und schrille Leute herum. Ich habe mich richtig wohl gefühlt. Sowas kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen und dennoch fände ich es cool, wenn die Leute ungezwungener wären und einen Kompromiss allgemein mit Kleidung eingehen würden. Hier schert sich keiner darum, wenn einer mit grünen Haaren, in einem Kostüm oder anderer schriller Kleidung herumläuft. Es ist einfach normal.
Mittendrin im Gewühl fanden wir einen Tempel, der eine kleine grüne Oase in dem Trubel bot. Er war weitere Fotos wert. Wir fanden auch einen Laden, der europäische Artikel wie Milka Schokolade, Bockwürste und Hagebuttentee verkauft.
Am Abend war ich echt kaputt und habe nur noch hier reingeschrieben, um danach ins Bett zu fallen.

Endlich in Tokyo!

東京に来ました!

Ich bin gut in Japan angekommen. Mein Flug ging mittags 13:10 Uhr von Leipzig nach München und dort hatte mein Flieger aus Tokyo leider Verspätung aufgrund eines Taifuns. Statt 15:55 Uhr zu fliegen, ging es erst 19:45 Uhr mit der Maschine in die Luft. Auf dem Münchner Flughafen habe ich mir erstmal was zu essen gegönnt. Ich hatte ja immerhin zum Frühstück nur ein Brötchen herunterbekommen. Erschreckenderweise hat das allerdings 7,10 € gekostet. Bin fast aus allen Wolken gefallen. An Bord des Flugzeugs habe ich einen netten jungen Mann kennen gelernt. Den Torsten. ^^ Ich bin ihm echt dankbar, dass wir so viel geredet haben und er mir aufgrund seiner bereits gemachten Japanerfahrungen ein wenig die Sorge um das Ankommen in Tokyo-Narita nehmen konnte. 15 Uhr Ortszeit war ich dann endlich gelandet. Der Flug war sehr gut gewesen. Keine starken Turbulenzen, die meinen Adrenalinspiegel in die Höhe gejagt und meine Flugangst gesteigert hätten. Mit dem Flughafenbus wurden wir zum Hauptgebäude gefahren und eilten dann zur Einwanderungsbehörde, um nicht in einer so langen Schlange warten zu müssen. Das zog sich nämlich hin, weil von jedem Passagier elektronische Abdrücke der beiden Zeigefinger und Fotos gemacht wurden. Obwohl ich im Flieger ein paar Stunden vor mich hingedöst habe, war ich nicht sehr fit für das ganze Warten. Ich hatte schon 24 Stunden hinter mir. Hinter der Passkontrolle war dann die Gepäckausgabe und ich habe eine Weile gebangt, ob mein Koffer überhaupt mitgeflogen war. Ich bin dann zusammen mit Torsten durch die Zollkontrolle (ein Zollbeamter lief mit einem Spürhund an den Koffern der Reisenden vorbei) und dann haben wir uns verabschiedet. Lieben Gruß an Torsten. Danke für den Beistand. Meine Bekannte wartete gleich hinter dem Ausgang auf mich und ich hab mich gefreut, dass sie die lange Zugfahrt von Hibarigaoka auf sich genommen hatte, um mich abzuholen. Ich bekam aufgrund der Wärme – 26°C im Schatten – ziemliche Schweißausbrüche, als es dann von Narita zum Gasthaus ging. In Deutschland waren es bei meinem Abflug nur 12°C gewesen. Zwei Stunden waren wir unterwegs, und das schwere Gepäck drückte auf die Nerven, weil auch die Japaner ziemlich gestresst und Hektik verbreitend über die Bahnhöfe eilten, auf denen wir umsteigen mussten. Wir sind gleich ins Gasthaus und dort haben wir Abendessen gekocht und nach einer Erfrischungsdusche einen Rundgang durchs Viertel gemacht. Dabei sind mir alle paar Meter Automaten wie diese begegnet. Allerdings nur mit Getränken aller Art darin. Wenn ich mal auf welche mit Slips drin stoße, mache ich auch ein Foto davon. ^^